Paul Greengrass wirft ein kritisches Auge auf den Irak-Krieg.
Am 1. Mai 2003 erklärte George W. Bush mit seiner mittlerweile berühmt-berüchtigten „Misson Accomplished“-Rede den Irak-Krieg für beendet. Das mag aus rein militärischer Sicht vielleicht richtig gewesen sein, doch die Invasion des Irak sollte sich für die Supermacht USA als strategisches und vor allem moralisches Desaster erweisen. Denn beendet war mit dem militärischen Sieg gar nichts, die Anschläge diverser Untergrundkämpfer sorgen bis heute für eine prekäre Sicherheitslage im Irak, die Methoden, mit denen die US-Army und ihre Verbündeten für Ruhe und Ordnung sorgen wollten – die Folterungen im Abu Ghraib-Gefängnis waren dabei nur der unrühmliche Höhepunkt – erfüllten so gar nicht die Versprechungen von Freiheit und Demokratie, die Gefahr islamistischen Terrors ist auch nicht geringer geworden. Und dann blieben auch noch die Massenvernichtungswaffen – von der Bush-Regierung als vordringliche Rechtfertigung für den Krieg immer wieder bemüht – die jedoch trotz intensiver Bemühungen nie gefunden werden konnten. Angesichts all dieser Umstände ist es wenig verwunderlich, dass in den diversen filmischen Aufarbeitungen des Irak-Kriegs wenig Platz für Heldentum bleibt und stattdessen überwiegend kritische Auseinandersetzungen stattfinden. Diesem Tenor folgt auch Paul Greengrass – der schon mit United 93 einen bemerkenswerten Beitrag zum Themenkomplex 9/11 abgeliefert hat – mit Green Zone. Greengrass siedelt den Plot wenige Wochen nach dem Ende der militärischen Operationen an, Chief Officer Roy Miller (Matt Damon) befehligt eine Spezialeinheit, deren Aufgabe es ist, die besagten Massenvernichtungswaffen aufzuspüren. Doch welche Ziele Miller und seine Truppe aufgrund geheimdienstlicher Informationen auch ansteuern, sie finden keine Spur der viel zitierten „weapons of mass destruction“. Hochgefährlich bleiben diese Einsätze jedoch weiterhin, denn Freischärler treiben sich noch zuhauf herum. Greengrass stößt dabei den Zuschauer anhand seines Protagonisten mit beinahe semi-dokumentarisch inszenierten Bildern mitten in das einem Hexenkessel gleichende Bagdad, wo Miller sich nicht nur mit irakischen Widerstandsgruppen konfrontiert sieht, sondern auch bald zwischen die Fronten divergierender Interessen von Geheimdiensten und Vertretern der US-Regierung gerät. Politische Aufklärungsarbeit wird Paul Greengrass dabei wenig leisten können – die Fakten dürften hinlänglich bekannt sein – doch ist Green Zone ein trefflicher Indikator dafür, wie weit das tief sitzende Misstrauen, das weite Teile der US-amerikanische Bevölkerung mittlerweile gegenüber der eigenen Regierung hegen, bereits in der Populärkultur seinen Niederschlag findet.
