Hochspannender Blick hinter die Kulissen eines Klimagipfels
Es hat etwas von einem Bienenstock, in dem ein Bienenvolk um sein Überleben kämpft: Die Königin heißt Christiana Figueres, sie ist die Leiterin des United Nations Framework Convention on Climate Change (mit dem COP-Präsidenten und französischen Außenminister Laurent Fabius als König an ihrer Seite), es gibt prominente Drohnen wie die Umweltaktivisten Al Gore oder Arnold Schwarzenegger, weniger prominente Drohnen wie den Klimaexperten Saleem Huq aus Bangladesch, die EU-Gruppenvorsitzende Carole Dieschbourg aus Luxemburg oder den Chefunterhändler Helmut Hojesky aus Österreich, und natürlich tausende emsige Arbeitsbienen wie z.B. Noora Al-Amer aus Bahrain – um nur ein paar wenige zu nennen.
Um nicht weniger als die Existenzgrundlage der Menschheit geht es auf dem Pariser Klimagipfel 2015, der 21. Ausgabe dieser vom Militär geschützten Konferenz in der Nähe des Flughafens Le Bourget. Nach langen Jahren des Ringens soll hier zumindest ein Rahmenabkommen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C erzielt werden. Das interessendominierte Gezerre und Geschiebe, das Gemauschel hinter verschlossenen Türen, die Geschäftigkeit und das Gewusel der 20.000 Teilnehmer aus fast 200 Ländern in rhythmisch sich aufladender Atmosphäre erweist sich in Guardians of the Earth als zum Zerreißen gespannte Folie, vor der die entscheidende Frage beantwortet wird: Findet die Weltgemeinschaft zu einer gemeinsamen Lösung oder kollabiert sie an nationalen Profitinteressen?
Es hat also auch etwas von einem Thriller, was Filip Antoni Malinowski und seine Kameramänner rund um Attila Boa da aus Paris zusammengetragen haben. Tausend Stunden Material wurden schließlich auf anderthalb verdichtet: Verhandlungen um Zehntelprozentpunkte Grad Celsius geraten zur Entscheidung über Leben und Tod, man bekommt den Eindruck der letzten Chance der Menschheit, nicht in einem Höllenszenario und einem daraus folgenden Klimaweltkrieg zu versinken bzw. hält man den Atem an beim finalen Versuch, den Bienenstock zu renovieren, ohne irreparable Schäden davonzutragen. Die Leistung dieses Films kann gar nicht hoch genug bewertet werden, denn die aktuellen Entwicklungen indizieren: Das Bienenvolk mag sein vorläufiges Überleben gesichert haben, doch mittlerweile läuft Guardians of the Earth schon wieder als Rückblende zu einer Rahmenhandlung ab, welche die Menschheit wieder arg zurückzuwerfen droht: Sie wissen schon, das Fossil im Weißen Haus pfeift auf den Pariser Vertrag.
