Hades

Filmstart

Hades – Eine (fast) wahre Geschichte aus der Wiener Unterwelt

| Philip Waldner |
Respektabler Versuch eines österreichischen Gangsterepos

Oft lösen nur feste Watschen dein Problem.“ Das ist eine der Lektionen, die der kleine Reza von seiner iranischen Mutter mit auf den Weg zu bekommen glaubt, als diese seinem schnöseligen Stiefvater eine runterhaut. Kurz darauf muss sich die Mutter mit ihren beiden Söhnen alleine durchschlagen. Für Reza ist es Ansporn, rasch Geld zu beschaffen, um seine Familie zu unterstützen. Was mit einem gestohlenen Fahrrad beginnt, führt Reza zunehmend in die Welt des organisierten Verbrechens – solange bis er sich als Erwachsener einen zweifelhaften Ruf als Schläger und Schuldeneintreiber erworben hat. Ein hartnäckiger Kommissar (Fritz Karl, mit Lolli in bester Kojak-Manier), der Reza seit Kindertagen im Gemeindebau kennt, ist ihm jedoch bereits auf den Fersen.

Hades ist das Kinodebüt von Regisseur Andreas Kopriva, der sich bisher vor allem durch Fernsehkrimis (Tatort, Schnell ermittelt) verdient gemacht hat. Ab der ersten Szene, in der Reza mit seinen Kompagnons scherzt, wird klar: Hades ist nicht nur unglaublich witzig, sondern auch durchaus ambitioniert geraten und verspricht nicht zuletzt aufgrund seiner dreiteiligen Kapitelstruktur sowie der omnipräsenten Erzählstimme seines Protagonisten aus dem Off, ein episches Gangsterdrama zu werden. Dass der Film dieses Versprechen zumindest ansatzweise einlösen kann, liegt an Anoushiravan Mohseni als Reza. Der österreichische Schauspieler mit iranischen Wurzeln hat selbst Erfahrungen als Kampfsportler, schrieb am Drehbuch mit und überzeugt allein schon durch seine physische Präsenz.

Was vergleichbare Gangsterfilme à la Scorsese & Co auszeichnet, Hades jedoch abgeht, ist, die moralische Ambivalenz seiner Figuren spürbar zu machen. Auf der einen Seite nehmen wir ihre Perspektive ein und fiebern mit, auf der anderen Seite können wir ihre Taten unmöglich gutheißen – genau das steckt das Spannungsfeld des Genres ab. Zu leicht ist es in Hades aber, sich mit Reza zu identifizieren und seine Taten am Ende des Tages zu entschuldigen: Drogen verticken und Leuten die Beine brechen ja, Flüchtlinge schmuggeln und Kinderschänder laufen lassen, nein. Wir wissen, wo die Grenze ist, oder? Der sympathische, selbstbewusste und um keinen Schmäh verlegene Reza lässt uns als Publikum da zu leicht ungeschoren davonkommen. Das hängt auch damit zusammen, dass Hades in Sachen Action und Gewalt mehr auf die Tube hätte drücken müssen, um der Genrekonkurrenz aus den USA und Frankreich das Wasser reichen zu können. Eine Watsche macht da noch keinen Sommer.