Ein Rundumschlag im Märchenland, der ins Leere geht, irgendwie.
Hänsel wird auch kein sexy Männername, wenn der Typ, der so heißt, von Jeremy Renner verkörpert wird. Das nur mal so am Rande. Zu tun bekommt man es in Hansel & Gretel: Witch Hunters ohnehin mit Hans und Grete, also den beiden ausgewachsenen Versionen der kindlichen Hauptfiguren des berühmten Grimm’schen Märchens. Schließlich wollten wir immer schon wissen, was aus den beiden wurde, nachdem sie die böse Hexe – die sie in ihr Lebkuchenhaus gelockt hatte, um sie zu mästen und zu fressen – in den Ofen gestoßen und verbrannt hatten. Nun, der Titel verrät die gewählte Profession: Hexenjäger sind Hänsel und Gretel geworden, und als solche in coole Lederklamotten gewandet sowie mit State-of-the-art Bolzenschussgeräten und Armbrusten ausgerüstet, die im weiteren Verlauf für gehöriges Krachbummzack sorgen.
Aufgeräumt wird in Augsburg, wo die schwäbische Beschaulichkeit arge Eintrübungen durch das Verschwinden von ortsansässigen Kindern erfährt. Eine Hexe muss schuld daran sein! Schon hat der sinistre Sheriff Berringer (verlässlich strohdumm-bösartig gegeben von Peter Stormare) die schöne Mina an den Pranger gestellt, da kann Hänsel gerade noch rechtzeitig das Schlimmste verhindern. Bei der Gelegenheit fällt einem ein, dass es sich bei der mittelalterlichen Hexenverfolgung nicht um einen unterhaltsamen Fantasy-Stoff handelt, sondern um einen historischen Massenmord an Frauen, im Zuge dessen unter anderem das Verfügungsrecht über deren Körper gewaltsam neu verhandelt wurde und die Pathologisierung des Weiblichen ungeahnte Dimensionen erreichte. Auch das nur so am Rande; wenngleich einem die Prügel, die die Frauen in diesem Film beziehen, unangenehm auffallen und keineswegs als Zeichen von Ebenbürtigkeit missverstanden, sondern als brutalisierte Nivellierung der Geschlechterdifferenz gesehen werden sollten.
Doch unbekümmert um all dies rekonstruiert Hansel & Gretel: Witchhunters die familiäre Herkunft und Vorgeschichte des Geschwisterpaares. Denn schließlich erschien es uns immer schon suspekt, dass allein die Armut und eine notorisch böse Stiefmutter die Gründe für das seinerzeitige Ausgesetztwerden im finsteren Wald gewesen sein sollten. Tatsächlich begab sich alles ganz anders. Und der Norweger Tommy Wirkola – manchen womöglich mit seinem wüsten Nazi-Zombies-im-Schnee-Möchtegern-Schocker Dead Snow (2009) noch in zwiespältiger Erinnerung – setzt dies mit Hilfe leidlich komischer One-Liner als leidlich unterhaltsamen Genre-Mix in Szene.
