Rasant inszenierte, aber glatt gebügelte Verfilmung des Broadwaymusicals, das auf dem John-Waters-Film von 1988 basiert.
John-Waters-Fans sind hart im Nehmen, schließlich hat der 150-Kilo-Transvestit Divine im Trash-Klassiker Pink Flamingos schon 1972 vor laufender Kamera frischen Hundekot verspeist – ohne Special Effects. Doch was ihnen seit 2002 zugemutet wird, dreht vielen den Magen um. Zuerst das Broadway-Musical Hairspray nach Waters’ schriller Hommage an die Sechziger: Die Vorstellung, dass die schräge Geschichte der pummeligen Tracy Turnblad, die nichts lieber will, als in der Teenie-Tanzshow des lokalen TV-Senders aufzutreten und dann gegen die Rassentrennung rebelliert, Stoff für ein süßliches Musical wird, war für viele der blanke Horror. Dann der nächste Schock: Das Musical wird für 75 Millionen Dollar verfilmt (Waters‘ Original kostete zwei Millionen). Und Tracys Mutter Edna, Divines Rolle, wird von John Travolta gespielt. Ausverkauf war noch der geringste Vorwurf.
Und nun das: Hairspray im Jahr 2007 macht richtig Spaß. Auf den ersten Blick ist neue Version ein rasant inszeniertes Musical mit größtenteils mitreißenden Songs und einer glänzend aufgelegten, bis in die Nebenrollen perfekt besetzten Darstellerriege. Ein Musical, das das Anderssein feiert und in dem die Outsider die wahren Helden sind.
Doch im direkten Vergleich mit dem Originalfilm werden die Schwächen offensichtlich: Waters Version ist authentischer (Originalsongs aus den 60ern wurden für den Score verwendet) und deutlich subversiver, Divines Edna ist kein ängstliches Hausfrauchen, sondern eine echte White-Trash-Walküre. Travolta dagegen bleibt in verstaubter Travestie stecken. Queen Latifah ist als schwarze Moderatorin eine grundgute Big Mama, die als Protest gegen die Segregation einen friedfertigen Gospel anstimmt, der weißer als ihre blonde Perücke ist. Von den tumultartigen Rassenkonflikten des Originals keine Spur. Am deutlichsten weicht das Ende ab. Während 2007 ein kleines schwarzes Mädchen völlig unlogisch zur „Miss Teenage Hairspray“ gewählt wird, gibt es bei Waters einen Showdown, bei dem Tracy auf den Vorwurf, in ihrer Beehive-Frisur wimmle es vor Ungeziefer, reagiert: Sie tanzt den „Bug“, bei dem sie wie von Käfern befallen herumzappelt und damit andere zum Tanzen ansteckt. Dagegen wirkt die glatt gebügelte, neue Auflösung merkwürdig scheinheilig. So bleibt das ambivalente Gefühl, zwar Spaß gehabt zu haben, aber auf Kosten anderer. Zum Vergleich erscheint rechtzeitig Waters’ Original erstmals auf DVD.
