Ein österreichischer Dokumentarfilm über vier nordkoreanische Fußballerinnen
Es regnet in Pyöngyang. Die Haare von Jin Pyol Hi sind schon trocken nach ihrem Lauftraining, es ist das letzte Interview in diesem Film. „Das Schöne am Fußball …“, sagt sie, doch dann stockt ihr Redefluss. Sie sieht kurz in die Ferne, dann setzt sie erneut an: „Das Schöne am Fußball … also wenn man das Spielfeld betritt, dann ist es, als ob das Herz weit wird und als ob man in jede Welt eintreten könnte.“ Sie lacht kurz, blickt verträumt, und scheint sich an ihre großen Erfolge auf diesem Spielfeld zu erinnern.
Regisseurin Brigitte Weich ist in die Welt der Jin Pyol Hi eingetreten, der Spielmacherin jener großartigen nordkoreanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die 2003 die Asien-Meisterschaft gewann. Und in die Welt der Ra Mi Ae, der am Feld wie privat offensiven Verteidigerin; in die Welt der Torfrau Ri Jong Hi und der Stürmerin Ri Hyang Ok. Alle vier mussten 2004, nach der verpatzten Olympia-Qualifikation, wieder zurückkehren in die angestammte Welt der nordkoreanischen Frauen. Doch ihr Selbstbewusstsein als Fußballerinnen haben sie mitgenommen, bezogen Position in der Arbeitswelt, wurden Schiedsrichterinnen, Trainerinnen, Mitarbeiterinnen in der „Korea Natursteinverarbeitungsgesellschaft“.
Der Film lässt fast ausschließlich diese vier Protagonistinnen zu Wort kommen, begleitet sie über mehrere Jahre, bis hin zur WM in den USA und zum bitteren letzten Spiel gegen Japan. Die (ehemaligen) Kickerinnen schildern ihre schwierigen Anfänge, als sie sich gegen die Eltern durchsetzen mussten, um überhaupt Fußball spielen zu dürfen. Sie berichten von ihrer politischen und ideologischen Motivation, gegen die japanischen und US-amerikanischen Gegner alles zu geben – weil diese Nationen ihrem Land und ihren Eltern einiges an Leid angetan haben.
Das weibliche Kollektiv probt keinen Aufstand im Großen gegen die von Männern beherrschte Gesellschaft, sie freuen sich über die Anerkennung durch Kim Jong Il, fügen sich in die Ehe und die Rolle als Mütter, und ihr ehemaliger Trainer berichtet stolz davon, ihnen schon in der aktiven Karriere das Kochen beigebracht zu haben.
Aber die Selbständigkeit, die den vier Frauen der Fußball verliehen hat, als sie am Feld ganz ohne Männer bestehen mussten, diese Besonderheit arbeitet der Film immer wieder heraus. Zudem sieht man großartige Spielszenen, emotionale Höhe- und Tiefpunkte des Sports, die in starkem Kontrast zum mittlerweile eingetretenen Alltag der Ex-Fußballerinnen stehen. Der Frauen-WM 2011 in Deutschland ist es zu verdanken, dass Hana, sul, sed (deutsch: „Eins, zwei, drei“) nun endlich regulär ins Kino kommt.
