Happyland

Filmstart

Happyland

| Ania Gleich |
Die Suche nach einem großen Gefühl zwischen Dorfpunks und Reitstall-Drama

Neunzig Minuten ernüchternde Existenzerschütterung sind garantiert – sowohl im Kino als auch beim Versuch, sich entlang der Donau ins echte Klosterneuburger „Happyland“ zu schleppen, um dort den Spaß seines Lebens zu haben. Ähnlich trostlos fühlt man sich nämlich, wenn man Evi Romens Protagonistin Helen(e) in Happyland von London nach Niederösterreich folgt – eine gescheiterte Rockmusikerin, die ausgerechnet dort mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Die Ödnis entsteht dabei allerdings nicht durch raffinierte dramaturgische Kniffe, sondern durch den hartnäckigen Versuch, das Sujet der Rückkehrerin zwanghaft zu „verösterreichern“. Dass Andrea Wenzl als Helen in feinstem Burgtheaterdeutsch tapfer versucht, den Bruch zwischen Rockstar-Pathos und Leberkäs-Melancholie zu überbrücken, macht sie nicht glaubwürdiger – eher wirkt sie wie ein Feuilleton-Ghost in einer Tatort-Episode.

Die ehemals berühmte Dorfpunkband, die sich noch immer schwarzgekleidet ums Lagerfeuer schart, brachte einst Helen hervor – die Einzige, die es via Plattenvertrag nach London geschafft hat. Unter dem Vorwand, ihrer Mutter auszuhelfen (die auf Kur muss), kehrt sie zurück ins „Happyland“ – eine von ebendieser Mutter betriebene Sporthalle mit dem Charme eines Finanzamts-Foyers. Die alten Weggefährten sind wenig begeistert von der Rückkehrerin. Bleibt also nur der neu eingestellte, schweigsame Twentysomething-Kletterlehrer, der offenbar sämtliche emotionalen und physischen Bedürfnisse abdecken soll. Der reitet übrigens gerne nackt am Donauufer entlang. Mysteriös? Vielleicht. Symbolisch? Wahrscheinlich. Unfreiwillig komisch? Auf jeden Fall.

Zwischen Reitstallromantik und Jubiläumsfest kulminiert das Ganze in einem Drama zwischen verpassten Chancen und ungestillter Sehnsucht – Linedance inklusive. Und weil man nach 75 Minuten noch nicht genug gestarrt hat, biegt das Ganze im letzten Drittel noch in eine verdrehte Ödipus-Interpretation ab. Das wirkt weniger wie ein erzählerischer Höhepunkt als wie das Tüpfelchen auf dem sowieso schon überladenen i. Zum Glück wurden österreichische Musikgrößen wie Alicia Edelweiss und The Leftovers mit ins Boot geholt. Ihre Auftritte wurden gemeinsam mit dem Score von Dorit Chrysler bei der Diagonale sogar mit dem Preis für die Beste Filmmusik belohnt – ein Moment, in dem alles kurz zusammenpasst.

Vielleicht ist Happyland genau das Richtige für alle, die sich gern zwischen Donau-Gestüt-Ästhetik, Dorfpunk-Nostalgie und antikem Familiendrama verlieren – und dabei ein wenig Donaunebel nicht scheuen.