Headhunters

Filmkritik

Headhunters / Hodejegerne

| Alexandra Seitz |

Er sei nur 1,68m groß, gibt Roger Brown zu Beginn via Voice-over zu Protokoll. Und es läge auf der Hand, dass er diesen Mangel an männlicher Imposanz kompensieren müsse. Dann zeigt uns Roger sein schickes Designerhaus, seinen tollen Schlitten und natürlich Diana, seine große blonde Frau. Die steht gerade im Begriff, sich mittels der Eröffnung einer Galerie selbst zu verwirklichen, weil der Zwerg an ihrer Seite in Sachen Kindermachen nicht spurt. Den luxuriösen Lebensstil finanziert Roger, Angestellter einer Personalvermittlungsfirma, indem er Kunden beklaut, die er im Vorstellungsgespräch nach Wertgegenständen ausfragt. Bis er an den Falschen gerät: den großen blonden Clas Greve, der behauptet, in der Wohnung seiner Oma stehe ein echter Rubens herum, und der nicht nur deswegen von Diana mit wohlgefälligen Blicken bedacht wird. Das macht den kleinen Roger unruhig; er will das Bild – und dann die Frau schwängern, damit sie nicht auf abwegige Gedanken kommt. Klingt blöd? Ist erst der Anfang.

Weil nämlich Clas früher einmal Elitesoldat war, kennt er so manchen Guerilla-Kampfkniff und denkt nicht daran, sich widerstandslos geschlagen zu geben. Also sind die beiden Männer bald schon in eine blutrünstige und ultrabrutale Auseinandersetzung verwickelt – die letztlich nicht mehr ist als ein über die Maßen aufwändig geratener Schwanzlängenvergleich. Roger ist ein sexistischer Arsch, und daran ändert sich im weiteren Verlauf nichts – es kann sich daran auch nichts ändern, weil die Haltung des Films eine sexistische ist. Morten Tyldums Headhunters liegt ein Frauenbild zugrunde, das vor Klischees nur so strotzt, ungefähr der Steinzeit entstammt und die Grenze zur Unverschämtheit deutlich überschreitet. Angesichts immer absurderer Handlungswendungen, die in immer hemmungslosere Gewaltexzesse eskalieren, auf die immer noch groteskere Unglaubwürdigkeiten und wahnsinnigere Aggressionen folgen, stellt frau einmal mehr kopfschüttelnd fest, dass, was Männer unternehmen, um herauszufinden, wer den Längeren, Dickeren und Standfesteren hat, auf keine Kuhhaut geht.

Als Tyldum gegen Ende dann auch noch im Minutentakt die Register wechselt, eine wirtschaftskriminelle Verschwörung aufgedeckt, ein Beziehungsdrama behauptet und die wahre Liebe propagiert wird, kippt die ganze Chose endgültig ins Lächerliche. Allerdings interessieren einen die Figuren zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr. Und deren Größe erst recht nicht.