Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch

| Alexandra Seitz |

Alles so schön bunt hier! Wie Lilli zur Hexe wurde.

Hexe Surundula ist nicht mehr die Jüngste, und sie ist es langsam leid, sich immer wieder aufs Neue der Ränkespiele und Täuschungsmanöver des bösen Zauberers Hieronymus erwehren zu müssen. Hieronymus nämlich will mit Hilfe von Surundulas Hexenbuch die – was sonst? – Weltherrschaft erlangen. Da das – versteht sich! – um jeden Preis verhindert werden muss, beschließt Surundula, dass es Zeit für eine Nachfolgerin sei und schickt das Buch in Begleitung ihres frechen, kleinen und außerdem übergewichtigen Flugdrachens Hektor auf die Suche. Hektor glaubt zwar zunächst an einen Irrtum des Buches, als er in der Dachstube der kleinen Lilli bruchlandet, macht sich aber dennoch daran, dem Mädchen durch die Hexen-Probezeit zu helfen. Als dann auch noch Hieronymus und dessen durchtriebener Mops Serafim auftauchen und sich ohne Umstände an die Umsetzung eines üblen Planes machen, der Lillis heile Rama-Welt in eine graue Arbeitshölle verwandelt, wird es für die Nachwuchshexe, die noch nicht richtig zaubern kann, ausgesprochen brenzlig.

Hexe Lilli von Stefan Ruzowitzky beruht auf der gleichnamigen Buchreihe des Kinderbuchautors Knister (alias Ludger Jochmann), die zudem bereits eine erfolgreiche TV-Zeichentrick-Serie zeitigte. Der vorliegende, vom Disney-Konzern koproduzierte Film ist Bestandteil einer Vermarktungskette und zielt auf den internationalen Markt. Interessanterweise verlagert sich dabei der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit von der Hexe Lilli auf den verfressenen Flugdrachen Hektor und damit weg von der Geschichte hin zum Effekt. Hektor ist ein aseptisches, nach allen Regeln der Niedlichkeit gestaltetes CGI-Wesen, das in der deutschen Fassung mit der Stimme des Komödianten Michael Mittermeier kreischt, schwätzt und säuselt. Das Viech strahlt dabei in etwa soviel Wärme aus wie eine Badewannen-Quietschente, aber die kleinen Kinder, die mit diesem Film  frei nach dem Motto – „Hauptsache es ist bunt und bewegt sich!“ – für dumm verkauft werden sollen, mögen das anders sehen.

Die Frage, die sich im vorliegenden Fall also stellt, ist nicht, was Ruzowitzky dazu bewogen haben mag, auf sein mit einem Oscar ausgezeichnetes komplexes Drama Die Fälscher den Kinderfilm Hexe Lilli folgen zu lassen. Die Frage ist vielmehr, was ihn dazu bewogen haben mag, diesen Kinderfilm auf diese Weise zu inszenieren: mit viel Blendwerk und Budenzauber, aber unter weitestgehender Vermeidung auch nur eines einzigen tiefer gehenden Gedankens.