Wendungsreiches Drama über ein schroffes Landleben
Im Bergdorf Hochwald in der Südtiroler Provinz lebt Mario mit Anfang 20 mehr schlecht als recht. Der junge Mann (eindrucksvoll dargestellt von Thomas Prenn, der für seine Leistung auch mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurde) tanzt exaltiert, trägt Make-up und träumt von einem freieren Leben in einer großen Stadt. Seinen Ruf im Dorf hat er schon länger ruiniert, durch Drogenkonsum, Vernachlässigung seiner Pflichten und dadurch, dass er aus der ihm zugewiesenen Rolle fällt. Und doch fügt er sich den verurteilenden Blicken der anderen Dorfbewohner, die wissen, wo ihr Platz ist, und bleibt hängen. Verloren sucht er nach einem Leben jenseits der lokalen Rangordnung und träumt vom einem Weggehen, an dem schon andere gescheitert sind.
Marios Kindheitsfreund Lenz (Noah Saavedra) hatte als lokales „Rich Kid“ genug Selbstbewusstsein, um sich in die Metropole abzusetzen, und kurz sieht es so aus, als könnte Mario das auch gelingen. Doch der Neuanfang wird brutal beendet als die beiden, frisch in Rom angekommen, Opfer eines islamistischen Terroranschlags auf einen queeren Club werden – blood is on the dancefloor. Mario kehrt zurück in die bigotte Dorfgemeinschaft, die ihn ständig wissen lässt, dass sie ihn gerne losgeworden wäre. Er sucht Anschluss an überraschender Stelle, doch wo er auch hinschaut, wird Anpassung vorausgesetzt, ist der Tod nie weit und lauert die Religion mit ihren Versprechungen auf ein besseres Leben, das es nur zum Preis der Unterordnung gibt.
Die Themenpalette von Evi Romens bemerkenswertem Regiedebüt (Interview Printausgabe 12 + 01/2020) ist vielfältig und behandelt die ewige Frage nach Freiheit und Gemeinschaft vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen. Die Kamera, gemächlich wie das Dorfleben, folgt Mario und zeigt im Hintergrund keine malerischen Landschaften, sondern düstere Wälder, ausladende Felswände und zudringliches Brauchtum. Der träumerisch-schöne Score unterstreicht Marios Suchen und seinen Rückzug in Phantasien, im Versuch, der existenziellen Krise etwas Freundlicheres entgegenzusetzen. Die mit Bedacht gewählten Kostüme kontrastieren Stadt und Land, Zeitgeist und Überholtes. Einzig das Drehbuch arbeitet stellenweise mit zu vielen Klischees.
In Hochwald wird viel geschwiegen, ins Leere geschaut, vorwurfsvoll gestarrt, theatralisch irgendetwas zu Boden geschmissen, aus dem Zimmer gestürmt, werden wortlose Ohrfeigen verteilt und herausgebrüllt, dass er (erraten, Mario) verschwinden soll. Das tut er dann auch, aber eben auf eine Art, die er sich selbst ausgesucht hat.
