A Hidden Life (Terrence Malick)

Cannes Blog 6

Hoffnung ist alles

| Pamela Jahn |
Terrence Malick beweist, dass er sein Handwerk doch nicht verlernt hat. Und auch das neue Werk von Corneliu Porumboiu überzeugt.

Der neue Film von Terrence Malick war an der Croisette nicht mit ausgesprochener Spannung erwartet worden. Das zeigte sich auch am ausnahmsweise entspannten Einlass zur Pressevorführung, der ohne große Probleme vonstatten ging. Malick mag einer der großen Namen in diesem Wettbewerb sein, doch von seinen jüngsten vier Filmen galt unter Kritikern einer schlimmer als der andere – daher legte man nicht viel Hoffnung in sein neues Werk A Hidden Life. Umso größer war die Überraschung darüber, dass der Film sich als Malicks bestes Werk seit langem herausstellte und sich auch dessen drei Stunden Laufzeit nicht zu lang anfühlte. Es war bis zuletzt unsicher gewesen, ob er die wahre Geschichte des österreichischen Bauern und Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter, der 1943 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, rechtzeitig zum Festivalstart fertig bekommen würde. Dass Malick es nicht nur geschafft hat, den Film termingerecht zu montieren, sondern damit auch zur bewährten Form zurückzukehren, könnte nun sogar bedeuten, dass der menschenscheue Regisseur am Palmensonntagabend gleich noch einmal über den roten Teppich schreiten muss.

August Diehl ist hervorragend als Jägerstätter, der sich aus religiösen Gründen verweigerte, den Hitler-Eid zu schwören und damit sein eigenes Leben und das seiner Familie daheim im oberösterreichischen Dörfchen Radegund auf ewig ins Unglück stürzt. Malick konzentriert sich auf der Leinwand auf die Zeit zwischen dem ersten Versuch der Nazis, Jägerstätter zum Soldaten zu machen, bis zu seiner Hinrichtung in Berlin 1943. Erzählt wird die Geschichte weitestgehend in Briefform mit Voice-over, die gebrochen von kurzen, aber effektiven Szenen, sich mit rauschenden Kamerafahrten und verqueren Blickwinkeln zu einem bewegenden großen Ganzen zusammenfügen. Vor allem die unbedingte Körperlichkeit und Präsenz der Schauspieler wirkt dem Pathos und dem gottesfürchtigen Überbau des Film mit seinen schweren Chorgesängen erfolgreich entgegen. Kurzum: A Hidden Life ist endlich wieder mehr Kinokunst und weniger hohler Kunstwille, und bald ist man als Zuseher gefangen von der inneren und äußeren Ausweglosigkeit dieses Mannes, die auch die Weite der malerischen Landschaft seiner Heimat nicht übertünchen kann.

Noch einer, der im Wettbewerb angenehm auffiel, war der Rumäne Corneliu Porumboiu mit seinem Beitrag The Whistlers. Wobei sich hier nicht die Frage stellte, ob sein Film erträglich sein würde, sondern wie genial Porumboiu sich in seiner neuen Satire ans Werk machen würde. Der ungemein unterhaltsame Neo-noir-Thriller um einen korrupter Polizisten und eine Femme fatale ist ein gelungener Mix aus Intrigen, trockenem Humor und einem tollem Soundtrack, dem es natürlich auch an politischen und gesellschaftskritischen Seitenhieben nicht mangelt. Und sollte das für einen Preis in Cannes nicht reichen, dürfte es The Whistlers doch zumindest eine sichere Festivalsaison garantieren. Denn gegenüber aller Schwere, die sich im künstlerisch anspruchsvollen Kino derzeit breit macht, wirkt es ziemlich erfrischend, zwischendurch mal wieder einen klugen, filmisch wie handlungstechnisch dynamisch erzählten „Crowdpleaser“ zu sehen. Der Film scheut sich auch nicht, Genre-Konventionen schamlos auszukosten und für die eigenen, spannenden kreativen Zwecke zu nutzen. The Whistlers ist ein weiterer Hoffnungsschimmer am einheitsgrauen Cannes-Himmel, der zuversichtlich stimmt auf das, was in den nächsten Tagen noch auf die Kritiker und Premierengäste an der Croisette wartet.