Autohasser-Film vereint Horror und Zivilisationskritik.

Es beginnt idyllisch mit einem ausgelassenen, nächtlichen Hockey-Spiel auf einer Asphaltpiste im Nirgendwo. Und als sich die hier so fröhlich herumtobende Familie schließlich zur Nachtruhe in das Haus unmittelbar neben der Piste begibt, da bleiben die Utensilien ihres Freizeitvergnügens einfach liegen, wo sie fallengelassen wurden. Jedoch werden diese Gegenstände auf der Fahrbahn keineswegs den Anlass für eine dringende Verkehrsdurchsage liefern. Denn niemand fährt jemals auf dieser Straße, keiner benutzt je dieses Stück Autobahn, das dereinst X mit Y hätte verbinden sollen.

Ursula Meiers Home zeigt, was passiert, als der erweiterte Vorgarten seinem ursprünglichen Zweck zugeführt wird: Wie aus wenigen Autos viele werden, wie der Lärm zunimmt und der Dreck anwächst, wie der Aktionsradius der Familie eingeschränkt wird und die Lebensqualität schrumpft. Wie sich das trotzige „Von den paar Karren lassen wir uns doch nicht vertreiben!“ wandelt in suizidale Verzweiflung, Abschottung und Einkerkerung.

Home ist eine Parabel. Im Verhalten der Figuren lassen sich Verdrängungsstrategien und Selbsttäuschungsmanöver erkennen, die dem Überleben in lebensfeindlicher Umgebung Hilfestellung leisten, ohne es doch zu garantieren. Denn was macht die Familie, als sich ihre Umwelt in eine stetig wachsende Bedrohung verwandelt? Anstatt auf- und auszubrechen und die eigene Lage zu verändern, vertieft sie den Graben, der sie von den anderen trennt, und verkriecht sich in ihr Nest. Im wahrsten Sinne des Wortes und mit beinahe tödlicher Konsequenz: Sie mauert sich ein.

Auf dieser zivilisationskritischen Ebene ist Home eine schwarzkomische Reflexion der Blindheit hochtechnisierter westlicher Gesellschaften. Noch kurz vorm Verrecken feiert man die Errungenschaft von Ytong-Stein und Dämmwolle, weil jetzt endlich der lästige Lärm nicht mehr zu hören ist, den draußen die Giftschleudern machen. Das eiserne Festhalten am Status Quo wird sichtbar als Akt selbstmörderischen Wahnsinns.

Wem das zu weit geht, der kann Home auch schlicht als Horror-Film rezipieren. Sorgfältig und geschickt nämlich arbeitet Meier mit der Tonspur, seziert das große Brausen des Straßenlärms und schafft eine Textur aus physikalischen Faktoren – Lärm, Licht, Gestank –, deren Wirkung auf Physis und Psyche der Figuren gezeigt werden kann. Eine allmähliche Zermürbung, die schließlich auch auf den Zuschauer übergreift.