Hotel Very Welcome

Filmkritik

Hotel Very Welcome

| Lina Dinkla |

Eine Reise durch Asien wird für die Protagonisten zu einer Suche nach sich selbst.

Jeder Rucksacktourist hat es sicherlich so oder so ähnlich schon einmal erlebt. Mal plötzlich, mal schleichend stellt sich ein zweifelndes Gefühl ein: Warum bin ich hier? Was mache ich hier? Weit weg von zuhause, als Backpacker unterwegs in einem beliebigen exotischen Land, auf der Suche nach irgend etwas, kommt der Moment, in dem das „Ich“ aufgeholt hat und eben diese nagend ernüchternen Fragen stellt. Denn bei all dem energischen Ausbrechen aus dem Alltag, dem Abschütteln dessen, was daheim wartet, wird leicht vergessen, dass man stets sich selbst mit im Gepäck hat. Sich und die erdrückenden Kompliziertheiten, die so kompliziert nun auch wieder nicht sind, wäre man nur ehrlich mit sich. Handelt es sich doch meist um Luxusprobleme aus der überfordernden Welt, die von uns 24 Stunden am Tag mehr Entscheidungen abverlangt, als wir je zu treffen in der Lage wären.

In Indien und Thailand drehte Sonja Heiß ihr doku-fiktionales Debüt und schickt die fünf Protagonisten auf die Suche nach oder Flucht vor etwas. Josh und Adam wollen nur ein paar Wochen Spaß haben, doch der ist so leicht nicht zu finden, wenn schon die Stimmung zwischen den beiden von latentem Machtgepose geprägt ist. Marion hingegen will in der Askese eines indischen Ashrams Klarheit über sich und ihre Beziehung erlangen und tanzt sich die Seele aus dem Leib, bis ihr plötzlich die Hohlheit der vermeintlichen Gemeinschaft bewusst wird. Svenja sitzt auf der Suche nach einem Heimflug im Hotelzimmer, bzw. in einer Hotline fest und bändelt halbherzig mit einem Callcenter-Arbeiter an. Liam hat daheim nach definitiv zuviel Alkohol aus Versehen ein Kind gezeugt und befindet sich auf einer Art Läuterungstour durch Indien. Am schönsten und schmerzvollsten sind denn auch die Momente, wo das „zuhause“ hereinbricht oder bewusst gesucht wird: Adam verfolgt wie selbstverständlich den Sieg des Lieblingsvereins in der Hotelbar in Goa; für die bierseeligen Fangesänge muss er allerdings allein sorgen. Marions regelmäßige Telefongespräche mit ihrem Mann oder Liams Anruf bei der Mutter seines Kindes führen dagegen allein beim Hinsehen in eine latente Depression und zeigen wieder und wieder in schmerzvoller Form die unsäglichen Kommunikationsbarrieren auf. Als hätte man es nicht schon vorher gewusst. Denn nur, weil man sich selbst in der Fremde vielleicht ein Stück weiterentwickelt, heißt das noch lange nicht, dass die da zu Hause es erstens auch tun, zweitens bemerken würden oder drittens überhaupt wollen.