Ein stilistisches Feuerwerk ohne Herz
Schön: Das ist wahrlich kein Kompliment für einen Film, impliziert diese Zuschreibung doch, dass er glatt und oberflächlich ist. Doch genau das trifft auf das Drama der Comiczeichnerin Marjane Satrapi und ihrem Regie-Kollegen Vincent Paronnaud leider auch zu.
Satrapi und Paronnaud, die 2008 mit der Verfilmung von Satrapis autobiografischer Graphic Novel „Persepolis“ für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert waren, haben auch dieses Mal eines von Satrapis Comic-Werken als Vorlage für ihren Film gewählt. „Huhn mit Pflaumen“, so heißt die Graphic Novel, in der die Autorin die Geschichte ihres Onkels erzählt, der sich, nachdem seine Frau im Streit seine Geige zerschmetterte, zum Sterben ins Bett legt. Während er dort vor sich hinvegetiert, lässt er ketten-rauchend sein ganzes Leben Revue passieren: seine Kindheit im Schatten des strebsamen Bruders, seine Jugend als Außenseiter und die gescheiterte Beziehung mit der Liebe seines Lebens: Irâne. Nachdem deren Vater ihn, einen mittel-losen Geiger, als Ehemann für seine Tochter ablehnte, bleibt ihm als Andenken an diese Frau nur der Seufzer der unglücklichen Liebe zurück, den er in seine Seele aufsog und der seine Musik so unvergesslich klingen ließ. Doch mit der Zerschmetterung der Geige hat seine Frau ihm auch diese letzte Erinnerung zerstört. Und so verweigert er sich dem Leben und wartet auf den Todesengel Azrael.
Das Besondere am erstem Film des Regie-Duos Satrapi-Paronnaud waren die großartigen Animationen, mit denen die beiden die Autobiografie „Persepolis“ filmisch adaptiert haben und die im Stil sehr stark an Satrapis zeichnerischen Arbeiten angelehnt waren.
Für Huhn mit Pflaumen hingegen haben die beiden Regisseure vorwiegend auf echte Schauspieler gesetzt, die sie in bester Michel-Gondry-Manier in eine märchenhafte Welt aus Stop-Motion-Film und Tausend-und-eine-Nacht-Kulissen eintauchen lassen. Das sieht auf den ersten Blick sehr hübsch aus, kommt aber auf lange Sicht nur wie eine Aneinanderreihung von verschiedenen Genres daher, die durch den rauchenden Onkel auf dem Sterbebett miteinander verknüpft werden. Und so verkommt diese tragische Liebesgeschichte, die doch jede Menge emotionales Potenzial in sich birgt, schlussendlich zu einem stilistischen Feuerwerk, das den Zuschauer gänzlich unberührt zurücklässt.
