Hundschuldig

Filmstart

Hundschuldig

| Alexandra Seitz |
Auf den Hund gekommen

Nachdem er die Mitbewohnerin seines Herrchens gebissen hat, und da der bösen Tat bereits zwei Vorfälle dieser Art vorangingen, wird Cosmos zum Tode verurteilt – auf behördliche Anordnung hin soll der Hund eingeschläfert werden. Doch sein Besitzer nimmt sich eine Anwältin, die auf aussichtslose Fälle spezialisiert ist und erreicht, dass über Cosmos nicht als eine Sache entschieden wird, die mit einem Defekt behaftet ist. Vielmehr wird der Hund als Lebewesen verantwortlich gemacht und angeklagt.

Angesiedelt ist diese Geschichte in einer Schweizer Kleinstadt, zugetragen hat sie sich so ähnlich in einem Dorf in Frankreich. Damals sorgte ein bissiger Hovawart für Demonstrationen. Die lassen nach Prozessbeginn auch in Doschs wilder Promenadenmischung von einem Film nicht lange auf sich warten: Tierschützerinnen, Feministinnen, Vegetarierinnen, Pazifistinnen uns sonstige interessierte Parteien treten auf den Plan; die einen sagen dies, die anderen sagen jenes. Und alles hat immer mehr als nur zwei Seiten.

Eine davon ist, dass ein Hund sich nicht in Worten, sondern in Gebell ausdrückt. Das Übersetzungsproblem ist die Spitze des Problem-Eisbergs, der sich im Zuge des Prozesses aus den Untiefen judikativer Bürokratie, divergierender ethischer Auffassungen, ja, aufeinander prallender Weltbilder erhebt. Fraglich ist auch, ob es sich tatsächlich um eine böse Tat handelt. Schließlich braucht, wer einen Hund beim Fressen stört, sich über schmerzhaftes Kontra nicht zu wundern. Mithin ist in Hundschuldig von der Akzeptanz der Natur eines (jedes) Lebewesens, das nicht der Mensch ist, die Rede.

Erstem Anschein und nicht weniger wunderlicher Turbulenzen zum Trotz hat man es nicht mit einer Komödie zu tun. Vielmehr bildet sich in den abrupten tonalen wirr rhythmischen Wechseln ein gesellschaftlicher Zustand ab, der von andauernder Übergriffigkeit und permanenter Überforderung geprägt ist. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Eben jener, Cosmos nämlich, wird gespielt von Kodi, der in Cannes für seinen uneingeschränkt engagierten Beitrag zum Gelingen des Unterfangens mit dem Palm Dog Award ausgezeichnet wurde. Es ist dies keine gering zu schätzende Leistung, geht es doch bei der Darstellung eines bissigen Hundes mithin um die Balance auf dem schmalen Grat zwischen Beiß-Reflex und Selbst-Beherrschung. Mehr der Letzteren täte vor allem den Zweibeinern gut.