I Used to Be Darker

Filmkritik

I Used to Be Darker

| Ines Ingerle |

Eine Geschichte über Dunkelheit und Lichtblicke – und über die Phasen dazwischen

Matt Porterfield bezeichnet seine dritte Regiearbeit als die persönlichste. In Zusammenarbeit mit Ex-Freundin Amy Belk entstand das Drehbuch zu diesem eindringlichen Film, der, wenngleich durchaus um einiges konventioneller als die Vorgängerfilme Hamilton (2006) und Putty Hill (2010), klare Verbindungen in der Handschrift erkennen lässt. Einmal mehr wirft Porterfield einen präzisen Blick auf eine bestimmte Subkultur seiner Heimatstadt Baltimore, diesmal auf das Milieu alternativer Musiker.
Kim (Kim Taylor) und Bill (Ned Oldham) sind gerade mitten in einer schwierigen Trennungsphase, als die 19-jährige Nichte Taryn (Deragh Campbell) aus Nordirland per Anruf ihren Besuch ankündigt. Ihre Pläne hätten sich geändert, erklärt sie und steht ein paar Stunden später vor der Türe, weil sie nirgendwo anders hinzugehen weiß. Vor zwei Monaten ist sie von daheim weggelaufen, und anstatt in Wales zu studieren, hat es sie zum Arbeiten nach Ocean City verschlagen, wo sie sich ein ernsthaftes Problem eingehandelt hat. Das Timing ihres plötzlichen Erscheinens könnte schlechter nicht sein, schließlich herrscht bei den Verwandten gerade ein Ausnahmezustand, mit dem keiner umzugehen weiß – allen voran Taryns Cousine Abby (Hannah Gross), die es Taryn durch ihre launische Grundstimmung zusätzlich erschwert, Ruhe zu finden.
Die Suche als zentrales Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch Porterfields Filme. Mit Laiendarstellern und dezenten, atmosphärisch wirkungsvollen Mitteln versteht er es, die emotionalen Probleme, die seine Charaktere beim Versuch der Wiederherstellung von Normalität haben, fühlbar zu machen. In I Used to Be Darker suchen die Figuren ihren Platz im Leben, befinden sich in persönlichen Übergangsphasen, in denen sie sich neu orientieren müssen. Keiner weiß so recht, wo er steht und was „wirklich“ ist.
Den schwer zu artikulierenden Emotionen wird durch Musik Ausdruck verliehen. Sie ist insofern auch das zentrale dramaturgische Element: Die Darsteller (oder besser: darstellenden Musiker) spielen sie selbst oder wählen sie aus – etwa durch einen Konzertbesuch oder das Auflegen einer CD. Gleichzeitig erweist sich der genreübergreifende Soundtrack als Streifzug durch die vitale Musikszene Baltimores. Musik als Katalysator für Gefühle: Was im Handeln verdeckt bleibt, kommt beim Musizieren an die Oberfläche. Die eindrucksvolle Schlussszene, in der Kim Taylor ihren Song „Days Like This“ singt, ist nicht nur ob ihrer akustischen Schönheit, sondern vor allem aufgrund seiner emotionalen Wahrhaftigkeit zutiefst  berührend.