Zoe Saldana über ihre Arbeit am Marvel-Spektakel Guardians of the Galaxy, das dieser Tage auf DVD und Blu-ray erscheint.
Ein weiterer Geniestreich aus dem Hause Marvel sorgte 2014 im Kino für Furore: Guardians of the Galaxy. Der Pilot und Vagabund Peter Quill, auch bekannt als „Star-Lord“, ist immer auf der Suche nach kostbaren Relikten. Bei seinem letzten Beutezug stiehlt er, ohne es zu ahnen, eine mysteriöse Superwaffe, auf die offensichtlich das ganze Universum scharf ist, und macht sich damit nicht nur zum neuen Lieblingsfeind des gewieften Schurken Ronan. Denn wer immer diese Waffe besitzt, ist in der Lage, den gesamten Kosmos zu unterwerfen. Auf seiner wilden Flucht verbündet sich Quill notgedrungen mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen von Außenseitern: dem waffenschwingenden Waschbären Rocket Racoon, dem Baummenschen Groot, der ebenso rätselhaften wie tödlichen Gamora (Zoe Saldana) und dem rachedurstigen Drax der Zerstörer. Als „Guardians of the Galaxy“ zieht diese spezielle Heldentruppe gemeinsam in den Kampf um das Schicksal des gesamten Universums.
Zoe Saldana, 1978 in New Jersey geboren, lebte im Alter von zehn bis 17 in der Dominikanischen Republik. Nach ihrer Rückkehr in die USA konnte sie sich als Tänzerin einen Namen machen und so 2000 eine der Hauptrollen im Erfolgsfilm Center Stage ergattern. Es folgten 2002 Rollen im Britney-Spears-Vehikel Crossroads und in dem hochgelobten Musikfilm Drumline. In den nächsten Jahren konnte sich Zoe Saldana mit Nebenrollen in Filmen wie Terminal von Steven Spielberg und Fluch der Karibik an der Seite von Johnny Depp einen Namen machen. 2009 feierte die US-amerikanische Schauspielerin ihren weltweiten Durchbruch. Neben ihrer Rolle als Uhura im Star Trek-Reboot von J.J. Abrams wurde sie vor allem als Neytiri in James Camerons Avatar einem breiten Publikum bekannt. Der epische Science-Fiction-Film katapultierte Zoe Saldana in die A-Liga der Hollywoodstars.
Wurden alle Schauspieler gemeinsam geschminkt?
Nein, wir hatten getrennte Bungalows. Wenn wir alle gemeinsam am Set waren – alle grau oder grün oder blau – konnten wir nichts angreifen, weil wir sonst überall hin Farbe und dergleichen geschmiert hätten. Wir saßen alle zusammen, und Dave (Bautista) aß ein super-gesundes Essen, ich Fisch mit Pommes, und Chris (Pratt) fragte: “Wie schmeckt´s? Magst du den Fisch?”. Er konnte ihn selber nicht essen, weil er auf einer strikten Diät war, deswegen wollte er immer wissen, wie mein Essen schmeckt.
Wie haben Sie sich die lange Zeit im Make-Up-Sessel vertrieben?
Musik hören, reden…Manchmal habe ich nach Dave gefragt, und man sagte mir: “Der Typ meditiert – er sitzt da und bewegt sich stundenlang nicht”. Mich hingegen konnten sie manchmal nicht mal dazu bringen, mich hinzusetzen. Mein Make-Up-Artist, den ich aus den USA kommen ließ, meinte “Du musst dich hinsetzen, deinen Hund nehmen und ein Nickerchen machen, sonst bekommen wir Probleme! Ich muss dich bearbeiten.” Mein Hund und ich wachten dann auf und waren beide grün.
Was ist schlimmer? Das Make-Up drauf- oder es wieder runterzubekommen?
Es drauf zu bekommen, glauben Sie mir. Wenn man abgeschminkt wird, ist es leichter, weil man weiß, dass man nur ungefähr 30 Minuten von der heißen Badewanne und dem Bett entfernt ist. Man reißt es sich im wahrsten Sinne des Wortes vom Gesicht. Die Haut ist elastisch und transpiriert, daher kann man die Make-Up-Schicht leicht wieder abnehmen. Es hat viereinhalb Stunden gedauert, mich zu schminken, aber nur ungefähr 75 Minuten, um mich abzuschminken.
Sie haben von Dave als sehr schüchterner Person gesprochen. Kann man von ihrer extrovertierten Persönlichkeit darauf schließen, dass Sie selbst alles andere als schüchtern sind?
Ich bin überhaupt nicht schüchtern. Meine Mutter bat mich darum, doch etwas schüchterner zu sein. Manchmal sagte sie sowas wie: “Kannst du einfach mal ruhig sein?”.
Dave und Sie haben beide einen athletischen Hintergrund. Haben Sie viele Ihrer Stunts selbst gemacht?
Wir sind der Albtraum aller Stunt-Koordinatoren und der Traum aller Regisseure. Regisseure wünschen sich, dass ihre Schauspiele mehr körperliche Dinge tun könnten, damit sie nicht von einer Totalen auf ein extremes Close-Up schneiden müssen. Bei uns konnte James viele der Halbtotalen, der Totalen und Close-Ups mit Dave, Chris und mir verwenden. Den Stunt-Leuten gefällt das nicht wirklich, weil wir reinkommen und alles nach zwei Versuchen gelernt haben. Das gefällt ihnen nicht, weil sie dadurch nicht so viel zum Arbeiten kommen. Andererseits sind die Stunt-Leute, die uns doubeln, total aufgeregt, weil sie schauspielen dürfen. Sie müssen nicht nur dauernd irgendwo herunterfallen und sich verletzen.
Mir fällt kein anderer Schauspieler ein, der gleichzeitig drei Franchises am Laufen hat…
Gab es nicht jemanden, der zwei hatte? Sylvester Stallone? Lange hatte Sly Rambo und Rocky, oder? (lacht) Und jetzt bin ich es? Glauben Sie mir, das war nie geplant. Zwischen diesen großen Filmen mache ich Filme wie etwa Nina, Out of the Furnace und Blood Ties. Infinitely Polar Bear kommt nächstes Jahr raus. Es ist einfach nur so, dass die großen Filme mehr geschaut werden als die kleinen, die ich mache, aber das ist okay. Ich spiele gerne Rollen, in denen Frauen mehr Bedeutung haben – es ist halt nur so, dass die im Weltall spielen oder von Filmemachern wie James Gunn, James Cameron and J.J. Abrams gedreht werden. Das ist keine schlechte Liste an Filmemachern, mit denen ich arbeite, finde ich, und wissen Sie was? Ich bin mal grün hier, mal blau da – das ist mir egal!
Wie war es, Nina Simone im Biopic zu spielen?
Es war eine sehr turbulente Sache, aber ich habe es geliebt. Wir haben das mit so viel Liebe gemacht, und ich finde, ihre Geschichte ist definitiv eine, die es wert ist, erzählt zu werden.
Was haben Sie beim Dreh dieser vielen Green-Screen-Filme gelernt?
Es hat mir geholfen, das Technische des Filmemachens zu schätzen. Es hat mir auch beigebracht, dass es das beste ist, immer offen zu bleiben und dass es keine blöde Frage gibt. Man sollte jede Frage stellen und versuchen, mit Filmemachern zu arbeiten, die nie die Geduld ihren Schauspielern gegenüber verlieren. Es ist sehr wichtig, dass der Regisseur einem so viele Informationen wie möglich gibt, vor allem, wenn man mit Dingen arbeitet, die man sich vorstellen muss. Man kann von einem Schauspieler nicht erwarten, dass er versteht, wenn es heißt: “Da kommt ein Dinosaurier auf dich zu”. Ok, werde ich jetzt automatisch wissen, wie groß er ist und wie er klingt? Ich brauche Details. Wie nahe kommt er an mich heran? Wie groß ist er? Wie wird es sein, wenn er mich anschreit oder wenn er mir ins Gesicht bläst? James Cameron bringt dann Lautsprecher, die doppelt so groß sind wie man selbst und durchforstet das Internet nach einem Sound, der so nah wie möglich an das heran kommt, was er sucht. Er spielt es einem ein paar Sekunden, bevor die Szene losgeht, vor – und das ist sehr hilfreich. Ich habe gelernt, immer viele Fragen zu stellen. Das ist ganz wichtig.
Wie war es, mit dem Regisseur von Guardians, James Gunn, zu arbeiten?
Er war sehr großzügig mit der Information, die wir brauchten. Er hat uns die Animatics gezeigt, die Musik vorgespielt, er hat uns den Moment erklärt und wie er ihn sich vorgestellt hat, wenn wir nicht den emotionalen Ton trafen, den er wollte. Er hat sehr viel investiert, obwohl er sich um zehntausend verschiedene Dinge gleichzeitig kümmern musste. Man will keine Angst davor haben, einen Regisseur etwas zu fragen, und wenn es so ist, dann sollte man mit diesem Regisseur nicht mehr zusammen arbeiten.
Glauben Sie, dass James etwas von Ihnen gelernt hat?
(lacht) Wie man cool ist! Nein, das war ein Scherz. Ich hoffe, dass er etwas gelernt hat. Ich denke, dass die klugen Regisseure die sind, die von ihren Schauspielern lernen, dahingehend, dass sie sich ansehen, wie sie ein besserer Regisseur, ein besserer Captain sein können. James ist keine egoistische Person. Er ist sehr leidenschaftlich und auch ein wenig stur, aber im richtigen Maß. Es gab Momente, in denen die Leute dachten, die Stimmung wäre angespannt, weil ich Fragen stellte oder etwas auf eine bestimmte Art zu tun versuchte, an die ich glaubte, aber James wollte, dass ich es anders mache – wir haben jedoch nie diskutiert. Es war nie feindlich. Manchmal war das bei Chris genauso. Es waren einfach emotionale Momente zwischen all den Künstlern, denen die Sache wirklich am Herzen lag. James hat seine Macht niemals missbraucht, indem er beispielsweise forderte, etwas einfach so zu machen, wie er es gesagt hatte. Er meinte eher sowas wie “Bitte vertrau mir, mach es so, und wir schauen, was rauskommt!”. Wenn wir das dann probierten und es nicht funktionierte, meinte er ganz leise: “Okay, mach es so, wie du magst.”.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie beschlossen haben, dass Sie Schauspielerin sein wollen?
Ich war lange Ballett-Tänzerin, aber als ich erkannte, dass ich mein Limit erreicht hatte und nicht mehr weiter gehen konnte, wusste ich, dass ich schauspielern wollte. Da ist etwas, was man als Tänzer nicht verwendet: die Stimme. (lacht) Was ich im Alltag am meisten verwende, ist meine Stimme, daher ist es wunderbar, dass ich mich künstlerisch durch dieses große Instrument ausdrücken kann. Ich war beim Casting für die Vogelscheuche in The Wiz, und meine Mutter kam mit, weil sie mich nirgendwohin allein gehen ließ. Sie war der Meinung, dass ich nicht gut war, und wir hatten ein Gespräch, in dem sie sagte “Baby, wenn du das machen willst, müssen wir uns einen Plan überlegen und du musst Unterricht nehmen.” Das tat ich, und ich begann, sehr viel zu lesen. Da gab es dieses Buch, das Judi Dench geschrieben hat, in dem stand, dass ein Schauspieler, bevor er dieses oder jenes sein konnte, erst einmal einfach sein musste. Ich dachte, dass man, um absolute Präsenz zu haben, alles absorbieren können muss, das auf einen geworfen wird. Seither werde ich dafür bezahlt (lacht). Ich habe keine Entschuldigung gebraucht, um aufzuhören oder etwas anderes zu machen.
Sammeln Sie die Actionfiguren der Charaktere, die Sie gespielt haben?
Es ist so: Ich habe Nichten und Neffen, und wenn sie da sind, nehmen sie die Figuren und spielen damit, und letztendlich sind sie kaputt. Es macht also keinen Sinn, sie zu sammeln. Einmal spielte meine Nichte mit den Star-Trek-Figuren und aß nebenbei Schokolade. Ich meinte: “Ist okay, nimm sie, ich brauch sie nicht. Ich muss sie nicht später für hundert Dollar verkaufen.”
