Sehen, hören, sein: Angela Schanelec macht es sich und dem Publikum nicht leicht.
Oft kann man im Kino den Augen nicht trauen, seltener nicht dem Wort. Bei den Filmen von Angela Schanelec ist man besser in beiderlei Hinsicht auf der Hut, denn Bilder und Sprache, Kunst und Realität, Lüge und Wahrheit, ziehen einander in ihren Werken an, um sich voneinander abzustoßen, Kontra zu bieten und sich schräg zu stellen auf der Leinwand wie im Kopf. Vielleicht bleibt das Gesehene und Gesagte auch genau deshalb so lange in Erinnerung, weil ihre Filme auf eine ganz spezielle Art und Weise hartnäckig sind, langsamer, ausdauernder, formal streng komponiert und zugleich frei wie die Gedanken, die in ihnen angesprochen, diskutiert, hinterfragt, aber nie vorgeführt oder ausgeschlachtet werden.
Doch die Liebe zum Querdenken hat ihren Preis. Denn nicht jeder ist bereit, sich der Ungreifbarkeit von Schanelecs Geschichten hinzugeben und sich die Zeit zu nehmen, die die Regisseurin ihren Figuren einräumt. Dass auch Ich war zuhause, aber da keine Ausnahme bilden dürfte, wird einem bewusst, sobald der Film seine Augen aufschlägt, mit einem Prolog im Wald, in dem ein Hund einen Hasen jagt, bis der nicht mehr anders kann, als sich seinem fatalen Schicksal hinzugeben. Von dort aus wird man mittels eines harten Schnitts direkt ins Leben geworfen, in den Alltag von Astrid (Maren Eggert), einer Mutter von zwei Kindern, die alleinerziehend ist, seit ihr Mann, ein Theaterregisseur, vor zwei Jahren verstarb. Sich an ihre neue Situation zu gewöhnen, fällt der verkopften Frau nicht leicht, und auch als Zuschauer will man sich nicht so recht anfreunden mit dieser Person. Zudem wird man von den ausharrenden Einstellungen und Dialogen zunehmend auf Geduld und Toleranz getestet – so wie Astrid auch. Denn nicht nur ihr Sohn macht ihr Ärger, die ganze Welt um sie herum scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Ein Fahrradkauf wird für sie zum Kraftakt, ihre Resignation scheint vorprogrammiert.
Dem Leben zuschauen, viel mehr macht die Berliner Regisseurin eigentlich nicht. Aber auch nicht weniger. Sie folgt ihren Protagonisten mit einem Kino der Beobachtung, das sich auch vor den ganz großen Worten, selbst vor Shakespeare nicht scheut, ebenso wenig wie vor der Stille, dem Schweigen und dem, was bleibt, wenn die Sprache als Form der Kommunikation versagt. Und vielleicht ist Ich war zuhause, aber deshalb so ein seltsamer und zugleich erstaunlicher Film, weil ihm mit Erklärungen, Interpretationen und Deutungsversuchen nicht beizukommen ist, sondern sich seine Wirkung vielmehr aus dem Erleben ergibt, einem Erleben, das sich durch die fragmentarische Erzählstruktur, die Montage und die inneren Widerstände des Seins hindurch freikämpft bis zum emotionalen Kern zwischen Kunst und Wirklichkeit.
