Im nächsten Avatar spiele ich vielleicht eine Amöbe.

| Dieter Oßwald |

Im nächsten „Avatar“ spiele ich vielleicht eine Amöbe

Sigourney Weaver spricht anlässlich ihres neuen Thrillers „Red Lights“ über Übersinnliches und Außerirdisches, ihre ausgebliebene Wiederkehr im „Alien”-Ableger „Prometheus” und über die deutsche Kanzlerin.

Vor 30 Jahren schrieb sie mit ihrer ersten Rolle Kinogeschichte: Im Science Fiction-Klassiker Alien von Ridley Scott wurde Sigourney Weaver zum ersten weiblichen Action-Helden Hollywoods. Ihr komödiantisches Talent zeigte sie in Die Waffen der Frauen oder Ghostbusters. Glänzende Kritiken bekam sie für dramatische Rollen in Ang Lees Der Eissturm oder Gorillas im Nebel. Nach dem pompösen Spezialeffekt-Spektakel Avatar von James Cameron gibt die Weaver nun in dem Mystery-Thriller Red Lights (unter der Regie von Rodrigo Cortés und an der Seite von Cillian Murphy) eine skeptische Wissenschafterin, die paranomale Phänomene entlarvt. Mit der beliebten Schauspielerin, die auch bei der kommenden Viennale in einer Nebenrolle in dem Cop-Drama Rampart zu sehen sein wird, unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Ist es Ihnen nicht ein bisschen unheimlich, wie sehr Sie von allen Seiten verehrt und gemocht werden? Eine kleine Prise Kritik wäre doch sicher abwechslungsreich
?
Danke für die Blumen, das ist sehr nett – aber ganz so ist es mit dem Geliebtwerden ja nicht. Ich bekomme durchaus reichlich Kritik.

Ihr neuer Film Red Lights startet zeitgleich mit Prometheus in den Kinos – wie finden es, dem Alien-Papa Ridley Scott nun Konkurrenz zu machen?
Die zwei Filme sind ja sehr unterschiedlich. Ich finde, die Zuschauer sollten sich unbedingt beide anschauen! (Lacht.)

Sind Sie nicht traurig, dass Sie nicht an Bord der „Prometheus“ waren? Immerhin war es Ihre Idee, dass die Aliens auf einem neuen Planeten gefunden werden sollten …
Das war eher eine gemeinsame Idee. Es liegt nahe, dass dieses Prequel bei den Ursprüngen beginnt und nicht mehr im Weltall spielt. Ich bin begeistert, was Ridley geleistet hat und welche wunderbaren Bilder er bietet. Beim Anschauen war mir in jeder Szene sofort klar, was in seinem Kopf vorgegangen ist. Prometheus ist ein ganz neuer Ansatz, aber er wird den Alien-Filmen sehr gerecht. Für mich ist das ein faszinierendes Erlebnis.

Warum haben Sie nicht anheuert bei dieser Expedition?
Diese Option gab es für mich nicht, zudem habe ich viel zu tun. Wobei ich die Idee für ein Prequel prinzipiell keineswegs uninteressant finde. Nicht nur Ridley, auch Noomi Rapace und Michael Fassbender haben eine wunderbare Leistung geboten – aber die Zuschauer sollen unbedingt auch Red Lights anschauen! (Lacht.)

Darin geben Sie eine skeptische Wissenschafterin, die paranormale Phänomene entlarvt. Glauben Sie privat an Übersinnliches?
An übersinnliche Phänomene glaube ich nicht. Dabei wäre ich eigentlich ziemlich leicht zu überzeugen, schließlich setzt man als Schauspielerin seine Vorstellungskraft immer und überall ein. Faszinierend finde ich die Kernaussage von Red Lights: Das Bedürfnis der Menschen nach übernatürlichen Dingen ist so enorm, dass viele sich nur allzu gern auf dieses Wunschdenken einlassen.

Sind Sie wenigstens ein bisschen abergläubisch?
Abergläubisch bin ich sehr, ich komme schließlich vom Theater. Dort würde nie jemand unter einer Leiter hindurch gehen, weil das Pech bringt. Auch ich öffne meinen Regenschirm immer erst, wenn ich bereits im Freien bin. In solchen Dingen benehme ich mich wirklich wie ein Kind.

Wenn schon nichts Überirdisches, wie steht es um die Außerirdischen? Glauben Sie an Aliens?
Ich glaube absolut an Aliens und ebenso an UFOs. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir die Einzigen in dieser Welt sind und es ansonsten keine Ergebnisse der kreativen Kräfte in diesem Universum gibt – das wäre doch ziemlich enttäuschend. (Lacht.) Ich möchte furchtbar gern noch ein Alien treffen, bevor ich sterbe – ein echtes natürlich!

Ist Ihr Red Lights-Partner Robert DeNiro nicht auch ein bisschen Alien?
Er ist schon anders als wir alle. Aber Robert ist zugleich sehr charmant. Es war ein großer Spaß, sozusagen „beinahe“ mit ihm zu arbeiten: Wir haben ja keine gemeinsamen Szenen vor der Kamera, dennoch liefern wir einander heftigste mentale Schlachten. Ich freue mich jedenfalls auf einen wirklichen gemeinsamen Auftritt mit ihm irgendwann einmal.

Wie sehr freuen Sie sich auf die Avatar-Fortsetzungen mit James Cameron?
Ich habe das Drehbuch noch nicht gelesen. Es könnte passieren, dass ich plötzlich einen Vogel spiele oder eine Amöbe – ich habe keine Ahnung. Aber man kann zu einem James Cameron schließlich nicht nein sagen.

Könnte man sich ein Nein überlegen, weil man es nicht ganz fair findet, dass man von den 2,8 Milliarden Dollar Einnahmen von Avatar vergleichsweise wenig abkriegt?
In dieser Hinsicht bin ich tatsächlich Kommunistin und finde, dass jeder, der an einem Film beteiligt war, auch etwas von dem Erfolg abbekommen sollte. Aber Jim hat da eine eigene Vorstellung, die er fair findet. Es ist schließlich eine große Ehre, in solch einem Bahn brechenden Film mitzuspielen und nützt der Karriere enorm. Insofern sind wir alle stolz, bei Avatar dabei gewesen zu sein. Last not least haben wir uns für diesen Beruf nicht entschieden, um viel Geld zu verdienen, sondern weil wir diese Arbeit lieben.

Sie feiern im US-Fernsehen gerade Erfolge mit der Mini-Serie Political Animal, worum geht es?
Inspiriert ist die Serie von unterschiedlichen Präsidentenfamilien im Weißen Haus. Für meine Figur der Außenministerin waren nicht nur Hillary Clinton und Madeleine Albright die Paten, sondern auch die bemerkenswerte Angela Merkel. Schließlich geht es um die Frage, warum Frauen bei uns in Amerika lediglich Außenministerin werden dürfen, aber nie Präsidentin.

Sie waren einst die erste Action-Heldin des Kinos, sehen Sie die deutsche Kanzlerin als ähnliche Vorreiterin in Sachen Frauenpower?
Frau Merkel ist für uns alle eine enorm wichtige Führungsperson in dieser Welt. Sie inspiriert hoffentlich viele Frauen, in die Politik zu gehen – was ich mir von unserer Serie ebenfalls wünsche. Frauen haben ganz andere Führungsqualitäten. Frauen können zuhören. Frauen setzen auf Teamarbeit. Und Frauen krempeln die Ärmel hoch und packen an.

Männer können das Ihrer Meinung nach nicht?
Männer können das durchaus. Aber zumindest in unserem Land tun es die verantwortlichen Politiker an der Macht nicht. Die kümmern sich lieber um Dinge, die unwichtig sind. Sie pflegen ihre Egos oder ihre Rangordnung. Frauen würden eine ganz andere Energie nach Washington bringen – und die wäre dort dringend nötig.

Würden Sie in einer Biografie über Angela Merkel die Hauptrolle spielen?
Dafür wäre ich wohl leider nicht ganz geeignet – aber ich würde mir das auf jeden Fall anschauen!

Wie sieht ein normaler Tag im Leben einer Superheldin-Darstellerin aus?
Ich weiß nicht, ob es normale Tage gibt! (Lacht.) Für diese TV-Serie arbeitete ich 14 Stunden, sechs Tage pro Woche. Dazu stecke ich in den Proben für ein Theaterstück. Und im nächsten Jahr folgen die beiden Avatar-Fortsetzungen. Wenn ich nicht arbeite, stehe ich gern früh auf und gehe mit den Hunden spazieren. Ich putze die Küche, wasche Wäsche, mache den Garten oder koche ein gutes Essen. Das ist ein unglaublich langweiliges Leben – aber genau das liebe ich.