Inniges Drama mit zwei Ikonen des britischen Kinos
Das gut situierte Ehepaar Bernard „Bernie“ Jordan (Michael Caine, der bereits angekündigt hat, dass er sich mit dieser Rolle in den Ruhestand verabschiedet) und Gattin Irene (Glenda Jackson), genannt Rene, genießt das Privileg, ihre letzten Lebensjahre in einem luxuriösen Seniorenheim am Strand des Seebads Hove verbringen zu dürfen. Sie residieren in einer weiträumigen Suite, komplett mit fürsorglicher gastronomischer und medizinischer Rundumversorgung, wovon die Mehrheit ihrer Altersgenossen nur träumen kann.
Die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte zeigt, wie Jordan, ein 89-jähriger Royal-Navy-Veteran des Zweiten Weltkriegs, mit Rollator und Krückstock auf eigene Faust über den Ärmelkanal nach Frankreich reist, um am 70. Jubiläum des „D-Day“, der Landungen der Alliierten an den Stränden der Normandie, teilzunehmen und dabei einem gefallenen Kriegskameraden zu gedenken. Auf der Fähre lernt er einen alkoholkranken Veteranen (John Standing) kennen, der wie auch Jordan an einem traumatischen Schuldkomplex leidet. Sie tauschen beim gemeinsamen Umtrunk Kriegserinnerungen aus, teilen ein Hotelzimmer und schließen Freundschaft. Während Standing in seiner Rolle umgänglich und beredt auftritt, agiert Caine zurückgenommen und in sich gekehrt. Seine Mimik macht deutlich, dass es Bernie Jordan sichtlich peinlich ist, wenn er von den Medien und begeisterten Fans als wagemutiger „Great Escaper“ aus dem Altenheim mit chauvinistischem Nationalstolz nachträglich als Volksheld gefeiert wird.
Parallel zu Jordans Erlebnissen bei seinem Auslandsausflug sieht man, wie seine Gattin Rene derweil zuhause ihren Alltag verbringt und dabei ebenfalls Freundschaft mit einer jungen Pflegerin – sensibel verkörpert von Danielle Vitalis – schließt.
Die am 15. Juni dieses Jahres verstorbene zweifache Oscar-Gewinnerin Glenda Jackson (beste Hauptdarstellerin 1971 in Women in Love und 1974 in A Touch of Class) sorgt in der Rolle der Rene trotz deren Gehbehinderung und gelegentlichen Schwächeanfällen fidel und mit sardonischem Humor für komödiantische Momente – eine bewundernswerte darstellerische Leistung der 1936 geborenen Schauspielerin. Rührend, wenn Rene in ihrem Zimmer zu nostalgischer Swing-Musik tanzend in Jugenderinnerungen schwelgt. Mehrere Rückblenden mit Schlachtszenen bei der Landung und Aufnahmen aus der Zeit, als Bernie und Rene sich kennenlernten, wirken stilistisch inkongruent in diesem Melodram über die letzten Monate einer über 70 Jahre währenden Liebesgeschichte. Der reale Bernard Jordan verstarb 2015, sieben Monate nach seiner Normandie-Reise, seine Frau wenig später.
