Ein unheimliches Virus außerirdischen Ursprungs verwandelt Menschen in gefühllose Wesen. Oliver Hirschbiegel versucht sich in seinem Hollywood-Debüt an der bereits vierten Filmversion von Jack Finneys Roman „The Body Snatchers“.
Auch in The Invasion wirkt die außerirdische Macht, auf die der Titel anspielt, zunächst im Verborgenen. Die von der Seuche Befallenen erscheinen äußerlich unverändert, sodass die Protagonistin des Films, der Psychotherapeutin Carol (Nicole Kidman), an den ersten Betroffenen in ihrem Umfeld auch nur ein merkwürdig emotionsloser Blick auffällt. Aber dieser subtile, hintergründige Horror einer unbestimmten Irritation wird bald von pseudowissenschaftlichem Geschwätz verwischt, mit dem ein befreundeter Arzt (Daniel Craig) die Wirkungsweise des Alien-Virus erklärt. Was folgt, ist die eher unappetitliche Zumutung von Kotze (die als Virusüberträger dient) in halbnahen Einstellungen, bevor schließlich die Infizierten wie gemeine Zombies mit Brandbomben hantieren und auf fahrende Autos springen.
Die gewagteste Neuerung des Stoffes, die vom Genreklassiker The Day the Earth Stood Still inspiriert scheint, bleibt indes völlig unausgegoren. Wie eine Montage von Fernsehbildern nach dem globalen Ausbruch der Epidemie vor Augen führt, bringen die außerirdischen Körperfresser auf ihre Weise den Weltfrieden – was im Umkehrschluss wohl heißt, dass unsere irdische Humanität ausgerechnet eine Tendenz zur Barbarei beinhalten würde. Eben dieser Gedanke wird denn auch in einer zentralen Szene ausformuliert, doch der entsprechende Monolog einer bis dahin unscheinbaren Nebenfigur kommt förmlich aus dem Nichts, und seine Wirkung wird durch belanglose Einwürfe anderer Nebenfiguren sowie die abstruse Replik unserer Heldin zusätzlich untergraben. Eine dezent angedeutete Analogie zwischen den Psychopharmaka, die Carol regelmäßig verabreicht, und dem Alien-Virus wird derweil überhaupt nicht weiter entwickelt.
Während ein kühler Blaustich den Bildern zunächst die passende Atmosphäre verleiht, machen spätestens ein paar grundlose, abrupte Rück- und Vorblenden klar, dass diesem Film jedes Gespür für Rhythmus und Ton fehlt. Solche Mängel sind vielleicht damit zu erklären, dass Oliver Hirschbiegel nur nominell als Regisseur firmiert, nachdem die Matrix-Brüder Wachowski, wie der Branchenpresse zu entnehmen war, zusammen mit ihrem Spezi James McTeigue, dem Regisseur von V for Vendetta, The Invasion bis zur Unkenntlichkeit umgearbeitet haben. Das Ergebnis ähnelt in jedem Fall den Opfern der Titel gebenden Invasion: Der Film erscheint wie eine leere Hülle, ohne eigenen Charakter.
