Kathrin Zechner, Programmdirektorin des ORF, nimmt zu Gegenwart und Zukunft des linearen Fernsehens und zu kommenden Herausforderungen Stellung. Ein Gespräch am Rande der Österreichischen Medientage über die schöne neue Digitalmedienwelt, wichtige Botschafter des Landes und den härter werdenden Kampf um kreative Talente.
Es war im Zuge einer Diskussion über die Zukunft des Fernsehens auf den Medientagen am Erste Campus. Neben ihr der Filmproduzent Danny Krausz, Sky-Deutschland-Serienchef Marcus Ammon und Christoph Schneider, Amazon-Prime-Chef für Deutschland und Österreich. Da erhob Kathrin Zechner sich unvermittelt aus ihrem Fauteuil und machte ein paar Schritte Richtung Publikum. „Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erregen“, erklärte sie ihr überraschendes Tun, und das Herumspazieren auf dem Podium war tatsächlich eine memorable Geste, mit der sie ihr Plädoyer für mehr Eigenproduktionen lokaler Sender begleitete. Man könne den großen internationalen Playern nichts anderes entgegen setzen als eigenen Inhalt (das Wort „Content“ mag sie nicht) – daher brauche man Talente und Produzierende wie einen Bissen Brot.
Kathrin Zechner, gebürtige Grazerin, erweist sich im anschließenden Gespräch mit „ray“ immer noch als veritables Energiebündel. Ihre Positionen trägt die TV-Managerin, die zwischendurch den Musicalbereich der Vereinigten Bühnen Wiens verantwortete, bevor sie als Fernsehdirektorin – nunmehr Programmdirektorin – in den ORF zurückkehrte, mit Verve und Überzeugung vor. Kein Wunder, dass sie 2015 mit dem Journalistinnenpreis „Medienlöwin“ ausgezeichnet wurde.
Was erhoffen bzw. erwarten Sie von einer neuen Regierung, wie immer sie auch aussehen möge, in Bezug auf den ORF? Wo gibt es Baustellen, die zu bearbeiten wären?
Kathrin Zechner: Wir stehen vor großen und reizvollen Herausforderungen. Wir haben eine Aufgabe im Konzert der vielen Sender, Plattformen, Möglichkeiten, die es heute gibt, und die ist: Wir schaffen Original, und die Basis von Original ist Talent. Mein Zutrauen, nicht nur meine Hoffnung ist, dass dieses Land will, das wir Talent finden, dass wir Talent ausbilden, dass wir dem Talent Freiraum geben – das betrifft nicht nur unser Kerngeschäft Fiction, sondern auch den ORF-Journalismus. Das ist unsere Aufgabe, dafür bekommen wir die Beiträge, die manche aus populistischen Motiven abschaffen wollen. Ein Beispiel aus der Fiction: Stefan Ruzowitzky und ich, wir sind gleich alt, wir haben seinerzeit Beiträge gemacht, der eine für Okay, der andere für Tohuwabohu und für dies und für jenes, wir haben als Junge geschrieben, recherchiert, getippt und haben uns, jeder anders, aber doch beide ganz gut entwickelt. Wir hatten die Chance, uns zu beweisen, unsere eigene Energie hineinzubringen. Natürlich haben uns Leute dabei begleitet, uns angeleitet, aber so ist aus diesem Talent etwas geworden.
Ruzowitzkys erster Film hieß wohl nicht von ungefähr „Tempo“ …
Kathrin Zechner: Ja, genau. Was ich sagen will: Wenn Sie uns helfen, das zu vermitteln, dann wird klar, dass wir mit den ORF-Beiträgen genau das machen: Talent erkennen, ausbilden, betreuen und natürlich auch die Produkte, die daraus entstehen. Fiction, aber auch Dokumentarfilm – das sind die Sprache und das Gesicht unseres Landes. Und natürlich verstehe ich Plattformen wie Sky, die sich jetzt auch lokal engagieren und zwei, drei lokale Produkte machen, die zu ihnen passen – das ist ja auch gut so, je mehr hier gemacht wird, desto besser! – aber was wir machen, macht eben kein anderer in dieser Intensität. Diese Qualität der Talente-Förderung in allen Sparten zwangszubeschneiden, würde allen schaden! Ich erzähle gerne die Geschichte: Wenn man einem Organismus – und ich sehe den ORF als Organismus – einen Arm abhackt, dann wächst er niemandem anderen an. Das heißt, wenn man sagt: Ihr dürft nicht mehr Fiction, ihr dürft nicht mehr Sport, ihr dürft nicht mehr Werbung – das nützt niemandem. Es ist einfach weg. Ich würde auch keinem Privaten, keiner Plattform etwas verbieten wollen – außer Datenmissbrauch.
Naja, aber der Arm „österreichischer Fußball“ wurde dem ORF doch abgehackt und ist Sky doch ganz gut angewachsen …
Kathrin Zechner: Vielleicht haben Sie Recht, aber erstens ist damit die Bundesliga für die doppelte Lizenz in Millionenhöhe hinter der Bezahlschranke verschwunden und zweitens sind wir da im Rechtehandel. Da müssen wir akzeptieren, dass das komplette Angebot, das wir bieten konnten aus budgetärer Verantwortung eben kein komplettes mehr sein kann. Und es kann noch weniger werden, solange die Rechtesummen wie bei den wahnwitzigen Fußballtransfers in die Höhe getrieben werden.
Besteht nicht die Gefahr, dass durch das lokale Engagement von Sky, Amazon, Netflix usw. plötzlich auch eine österreichische Serie oder eine Filmproduktion eine weltweite Bedeutung erlangen könnte, die sie im ORF (oder auch als österreichisch-deutsche Koproduktion) nie hätte?
Kathrin Zechner: Ja, aber das ist doch super, denn wenn sie regional agieren wollen, was im übrigen ja noch gar nicht so häufig der Fall ist, müssen sie mit heimischen Größen arbeiten – nehmen wir als Beispiel Der Pass mit Nicolas Ofczarek. Gut, den hat jetzt nicht der ORF entdeckt, aber Burgtheater und ORF (mit Braunschlag) populär gemacht. Oder Stefan Ruzowitzky oder Andreas Prochaska oder Barbara Eder oder übrigens auch Michael Haneke – diese Tradition gibt es – das sind Talente, die uns finden, die wir finden und mit denen man gemeinsam einen Teil des Weges geht, des Lernens, des Ausprobierens, des Irren-Könnens. Das ist ganz wichtig: Man kann Talent nicht vermessen, man kann es nicht effizient führen, man kann es nicht eine Matrix zwingen. Das heißt: Produzenten, Kreative und wir, wir suchen einander, gehen einen Weg gemeinsam, man probiert aus, feiert erste Erfolge, manchmal scheitert man auch, das gehört dazu. Dann endet die Jugend, viele gehen in die große Welt und bleiben gleichzeitig auch bei uns, nach dem Motto: „Jederzeit auch ORF.“ Und ob das ein Herr Hirscher ist, ein Herr Marvin Kren, Umut Dag, ein Herr Gschwandtner von Runtastic, die Frau Eder, die Frau Derflinger, die Frau Strauss – das sind dann alle ganz tolle und wichtige Stimmen und Botschafterinnen Österreichs. Ich bin stolz, wenn Menschen, die mit uns arbeiten, international reüssieren, ob bei Netflix oder anderswo. Das ist doch großartig.
Zum Ausprobieren gab es früher sogenannte Fernsehspiele, und es entstand durch die Bank Großartiges, meist nach literarischen Vorlagen, wie etwa die Filme von Fritz Lehner, Dieter Berner oder Axel Corti – was wäre heute das Äquivalent? Die Landkrimis und Stadtkomödien?
Kathrin Zechner: Ja, die Zeiten und Namen haben sich auch geändert. Einen Landkrimi zu machen ist um nichts schlechter als seinerzeit eines der ambitionierten Fernsehspiele. Als wir die Landkrimis gestartet haben, war, wie immer in Österreich, die Skepsis groß. Nach den ersten zwei wollte plötzlich jede und jeder bei einem Landkrimi dabei sein, egal ob Schauspieler/in, Autor/in oder Regisseur/in. Oder die Stadtkomödie. Bei unserer jüngsten, Curling für Eisenstadt, da haben wir quotenmäßig nicht reüssiert, aber kein Mensch hat erwähnt, dass die fünf davor – und hoffentlich auch alle weiteren – an die 600.000 Zuschauer hatten. Oder die Vorstadtweiber: Da haben vorher auch viele gesagt: geht nicht, darf nicht, soll nicht, wird nicht … und es wurde ein Riesenerfolg in den ersten drei Staffeln, mit jeweils 600.000 bis 900.000 Zuschauern, und das nicht wie früher in der „Barockzeit“ ohne Konkurrenz, sondern gegen hundert andere Plattformen, Sender, usw.
Klar, bei den österreichischen Inhalten, da ist der ORF Platzhirsch, da ist der ORF zu Hause … Dennoch: Wie kann man auf die Dauer finanziell mithalten, wenn man etwa weiß, dass eine Episode von „Das Boot“ 4 Millionen Euro kostet?
Kathrin Zechner: Oder The Crown, wo 45 Minuten 14 Millionen Dollar kosten. Finanziell mithalten in absoluten Zahlen können wir nicht. Deswegen sage ich „in absoluten Zahlen“, weil wir im kleinen Österreich einen großen Vorteil haben: Wir haben eine hohe Dichte an künstlerischem, kreativen Talent, und wir sind es gewohnt, mit kleineren Budgets auszukommen, egal ob es sich um Schnell ermittelt, Vorstadtweiber, um die Landkrimis oder um Maria Theresia oder um Sacher, M, Freud oder Liebermann handelt. Wir sind es gewohnt, mit einem Zehntel des Budgets Dinge herzustellen, die ausschauen wie eine 14-Millionen-Episode. Wir haben natürlich nicht 30 Weltstars und auch nicht den Oscar-gekrönten Autor Peter Morgan, den ich sehr schätze … aber auch da hoffe ich auf Ihr fachliches Wissen: Wir müssen weg von diesem Minderwertigkeitsgefühl. Wir können es, wir machen es, auch wenn wir begrenzte Ressourcen haben. Ein kleiner Raum zwingt dich, geistig beweglicher zu sein. Einen Markt wie die Amerikaner werden wir nie haben. Und was passiert da? Remake, Sequel 8, Teil 20, alles wird x-mal getestet, wenn es nicht ins Schema F passt oder performt, fliegt es raus. Soll sein, das ist ein industrieller Zweig der Filmbranche, den es natürlich auch geben muss. Aber wir sind es gewohnt, von der Satire bis zur Serie zu agieren, mit dem Talent und den Mitteln, die wir haben. Woran ich appelliere, auch bei der Politik: Seien wir doch bitte stolz darauf! Der größte Irrtum ist ja zu glauben: Der ORF steht irgendeiner Plattform, irgendeinem österreichischen Privaten im Weg. Überhaupt nicht! Im Gegenteil: Wir sind Motor der Geschichten, Talente und Innovation!
Um das vielleicht nochmals zu konkretisieren: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Stärken der heimischen Filmproduktion, der österreichischen Talente?
Kathrin Zechner: Unser großes Talent ist: Wir können Geschichten erzählen, schon mit der Muttermilch. Das ist etwas zutiefst Österreichisches, natürlich auch durch unsere jüdische Tradition geprägt. Und es ist egal, ob es in einer kurzen Form wie einem Werbespot ist oder in einem 90-Minüter. Das zweite Talent, eben weil wir keinen großen Markt haben, ist es, erfinderisch zu sein, kreativ zu sein. Wir müssen einfach „out of the box“ denken, weil wir nicht ständig exorbitant teure Sequels drehen können. Das sind unsere zwei größten Stärken.
Kleiner Einwurf: Es steht außer Zweifel, dass auf dem Gebiet der Regie viel passiert ist, von Hüseyin Tabak über Umut Dag, David Schalko, Marvin Kren, Barbara Eder, usw. Aber wie sieht es im Schauspiel aus? Polemisch könnte man sagen: Man sieht immer die selben: Strauss, Moretti, Palfrader, …
Kathrin Zechner: Für mich ist klar: Wenn jemand bekannt oder arriviert ist, hat er oder sie nicht verdient, weggeräumt zu werden. Das ist so eine österreichische Mentalität: Wenn ein Pflänzchen über das beamtische Mittelmaß hinauswächst, schlägt das Mittelmaß zurück, da wird geraunzt: „Den hab ich zu oft gesehen“. Sorry! Sind wir doch stolz auf unsere Könnerinnen und Könner! Deswegen habe ich immer gesagt: Bei mir haben Leute, die etwas können und auch schon länger können, jederzeit einen Platz. Wir wollen, brauchen und lieben sie. Und zusätzlich geben wir Talenten die Möglichkeit, mit den Großen mitzuwachsen. Beispiel Sophie Stockinger: Ich habe sie, da war sie, glaube ich, 15, im Kindertheater als Salome Pockerl gesehen. Dieses Kind, diese junge Frau hatte so eine Kraft! Wir haben sie behutsam aufgebaut, und jetzt ist sie eine junge Große. Beispiel 2: Selina Graf, frisch von der Schule. Und dann Walking on Sunshine. Natürlich gibt’s den großen Palfrader, der ist type-gecasted herrlich, großartig. Aber es gibt auch Selina. Johannes Nussbaum, Vorstadtweiber – großartig. Und der ist weg, der ist am Theater, der ist überall. Und das sind nur drei Beispiele von vielen. Ich lade Sie ein, Ihren Fokus darauf zu richten. Wir haben großes Talent, weiblich wie männlich.
Ein Fach, wo es mit dem Nachwuchs vielleicht nicht so rosig ausschaut, ist das Drehbuch. Würden Sie dem zustimmen?
Kathrin Zechner: Das ist ein ewig schwieriges Fach. Diese originär Schaffenden sind schwer zu finden, weil es wenige gibt. Ich hatte das Glück, in meiner ersten Programmdirektion unter Gerhard Zeiler, Agnes Pluch bei mir zu haben, Verena Kurt, Elisabeth Gabriel, die alle heute Autorinnen sind oder Katharina Schenk, heute Hauptabteilungsleiterin Film und Serie. Oder Uli Bree, ihn habe ich kennengelernt, als er in der „Kulisse“ kurze Ein-Personen-Kabarett-Stücke aufgeführt hat. Oder Rupert Henning. Die beiden habe ich zum Fernsehen geholt. Oder Stefan Vögel, Autor für Theater und Fiction. Ich glaube schon, eine Nase für Talent zu haben und auch Geduld, wenn es einmal nicht so läuft, das ergibt dann eine gewisse Verbundenheit.
Generaldirektor Wrabetz hat hier bei den Medientagen von einer tiefgreifenden Veränderung der Fernsehlandschaft gesprochen und davon, dass die Marktanteile des ORF mittel- und langfristig sinken werden. Wie bereiten Sie als Programmdirektorin sich auf diese Entwicklung vor?
Kathrin Zechner: Ich kann es nur noch einmal betonen: It’s the original! Das ist unsere Stärke. Ich habe von der Zeit der Nicht-Konkurrenz bis zur heutigen Situation mit hundert Playern und mehr alles erlebt. Früher haben wir auf Sinusmilieus und Zielgruppen geschaut, inzwischen hat sich alles wieder verändert. Heute sehen wir: Radio, vor fünf Jahren für tot erklärt, ist brillantes „Guten Morgen“. Fernsehen oder jede Art von linearem Bewegtbild ist „Prime Time“, Digital ist „24/7“. Also, Prime Time, das beginnt frühestens um 18 Uhr und geht so bis 22, maximal 23 Uhr. Das, was Fernsehen früher war, also 24/7, ist jetzt digital. Danach richten wir uns sukzessive ein, indem wir sagen: Die Mittel, die wir haben, die setzen wir gezielt ein, und dazu brauchen wir endlich ORF Digital.
Ein mögliches neues ORF-Gesetz sollte das auch beinhalten – die Möglichkeit, online und online first zu produzieren. Wie sehen Sie das?
Kathrin Zechner: Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Wir arbeiten daran und haben Ideen, wie diese digitalen Originale aussehen könnten. Mein Traum ist das, was ich als „open space“ bezeichne. Weiters haben wir eine Library voll Inhalten, die ja den Beitragszahlerinnen und -zahlern gehören und den Urheberinnen und Urhebern, und die sie, ob jetzt sieben Tage, 30 Tage oder am besten ein Jahr, nutzen können und danach in einem TVThek-PrimeAbo ihre persönlichen Wunschpakete bestellen könnten – ob Comedy, Fiction, Dokus, legendäre Interviews und vieles mehr. Die Privaten, die immer gern unsere Inhalte hätten, wollen diese Inhalte nutzen, das wäre schlicht Enteignung. Zweitens wünsche ich mir eine Kooperationsmöglichkeit, so etwas Ähnliches wie die „BritBox“, die ja noch nicht ganz durch ist, wo ITV und BBC, also Private und Öffentlich-Rechtliche zusammenarbeiten wollen. Das Prinzip: Nach einem Jahr stellen ORF und Private ihre Inhalte online und nach einem noch auszuarbeitenden Abo-Modell können alle Österreicherinnen und Österreicher diese „Austrian Original Box“ nützen. Puls 4 stellt Entertainment rein, Servus TV Dokumentationen, wir unser Inventar. Und zwar ohne Datenmissbrauch, das ist ganz wichtig. Abgerechnet wird aliquot, je nachdem, wer wie viel Inventar anbietet. Auch die Urheberinnen und Urheber haben etwas davon. Leicht wird es nicht, aber es ist handhabbar. Zumindest ein interessanter Gedanke.
Was werden die Beitragszahler und -innen sagen, wenn sie für denselben Inhalt noch einmal zahlen sollen?
Kathrin Zechner: Wir reden von speziell auf den einzelnen Kunden zugeschnittene Programmzusammenstellungen. Das ist ein Mehr!
Überall rund um Österreich gibt es spannende Jugendprogramme, man muss gar nicht an „Stranger Things“ denken, aber etwa an die Serie „Skam“ aus Norwegen. Warum war so etwas in den letzten Jahren im ORF nicht möglich?
Kathrin Zechner: Natürlich haben wir in allen Genres auch junge Produkte: Wir haben von Wahlfahrt, über Kurier des Kaisers bis dok.eins mit Hanno Settele Sendungen geschaffen, die aufklären, die bilden und trotzdem amüsieren. Das ist im angesprochenen Segment ausgesprochen beliebt. Wir haben im fiktionalen Bereich Dinge wie die Vorstadtweiber oder Braunschlag oder Pregau, das sind Produkte, die bei den Jungen sehr gut ankommen. Und gerade heimische Politik, mit erstaunlichen regionalen und nationalen Wahlen bis hin zu Live-Sport und Live-Show erreichen wir einen hohen Anteil an 12- bis 29-Jährigen. Und ich denke, in dem von mir und meinem Team geplanten „open space“ sollte genug Platz selbst für die jüngste 24/7-Zielgruppe im mobilen Bewegtbild-Bereich sein.
Kommen wir abschließend nochmals zum Drehbuch. Wäre es nicht sinnvoll, wieder einmal einen Wettbewerb auszuschreiben oder eine Art Werkstatt zu veranstalten?
Kathrin Zechner: Ich habe in meinen vier Direktionen alle großen Drehbuchwettbewerbe mitveranstaltet, mit unglaublich tollen deutschen Kollegen wie Nico Hoffmann, damals noch Regisseur, heute UFA-Chef, und den heimischen Größen in der Jury. Die Erkenntnis: Es tut natürlich gut, es bewegt sich etwas, du bekommst aus einem Drehbuchwettbewerb ungefähr drei interessante, nicht fertige Autorinnen/Autoren. Das ist es wert. Aber: Die Vorstellung, die ich oft höre, dass in diesem Land unglaublich viel unentdecktes Schreibtalent schlummert, die ist leider falsch. In dieser neuen Umgebung – bleiben wir beim Begriff „open space“ – wird es neue Möglichkeiten geben, so wie bei einem klassisch analogen Kurzfilmfestival, Dinge zu entdecken, nur eben digital. Jetzt komme ich noch einmal zum „talent“: Was eben keine Maschine der Welt kann, ist, zu erkennen: Da ist Potenzial – das kann man nur mit Instinkt und Erfahrung. Das ist meine Aufgabe, und dazu braucht es auch den Mut, zu sagen: Yes, we try.
