Zu viel Liebe kann töten: märchenhaftes Steampunk-Rock-Musical
In der kältesten Nacht auf Erden, während erfrorene Vögel vom Himmel fallen, wird im viktorianischen Edinburgh der kleine Jack geboren. Weil sein Herz zu Eis gefror, ersetzt es die findige Hebamme Madeleine mit einem mechanischen Herzen in Form einer magischen Kuckucksuhr. Jack muss fortan drei Regeln befolgen. Regel Nummer Eins: Nicht an den Zeigern seines Herzens drehen. Regel Nummer Zwei: Nicht die Beherrschung verlieren. Und die dritte, allerwichtigste dieser Regeln: Er darf sich nicht verlieben. Niemals! „Sonst wird sich der Stundenzeiger deiner Uhr durch deine Haut bohren, deine Knochen werden bersten und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen“, warnt ihn Madeleine. Und wie sollte es auch anders sein, bei der ersten Begegnung mit der reizenden Miss Acacia setzt der Schlag seines Kuckucksuhrherzens einen Moment lang aus. Als Jack erwacht, ist sie verschwunden. Auf der Suche nach der lieblichen Sängerin, quer durch Europa, begegnet er George Méliès, der an seiner neuesten Erfindung arbeitet – dem Film – und Jack dazu rät, dem Ticken in seiner Brust zu folgen. Die Reise der beiden endet in einer andalusischen Kuriositätenshow (die aus Tod Brownings Freaks hätte stammen können) und Jack ist nun fest entschlossen Acacias Herz zu erobern, was fatale Folgen für seine Gesundheit hat.
Love hurts. Die Schöpfer dieser liebevoll animierten Goth-Romanze nehmen dieses Mantra sehr wörtlich. Der Film Jack und das Kuckucksuhrherz basiert auf der Erzählung „La mécanique du coeur“ (2007) von Mathias Malzieu, der mit seiner französischen Rock-Band Dionysos den Soundtrack dazu komponierte. Sechs Jahre später und mit Hilfe von Luc Besson gelang es Malzieu als Ko-Regisseur (neben Stéphane Berla) und Drehbuchautor, ein Animationsmärchen mit Musikeinlagen zu entwickeln, basierend auf den bezaubernden Illustrationen von Nicoletta Ceccoli.
Rhythmische Pop-Beats und Kuckucksuhrmotive folgen dem Tick Tack seines Uhrwerks. Reminiszensen führen von George Méliès Le Voyage dans la lune (1902), vorbei an der Ästhetik von Henry Selick (Coraline) bis hin zu Tim Burtons Oeuvre. Die Bilder bei Jack und das Kuckucksuhrherz stecken voller kleiner Wunder und bizarrer Anatomien wie dem Akkordeon-Körper eines Zuges oder einem alten Mann, der anstelle einer Wirbelsäule ein Xylophon am Rücken trägt. Die Animationen atmen phantasievollen Steampunk, süße Melancholie und eine nette Moral: Ein kaputtes Herz ist besser als ein blutleeres.
