Filmkritik

Jean Ziegler - Der Optimismus des Willens / Jean Ziegler, l'optimisme de la volonté

| Angela Sirch |
Porträt des ewigen Kämpfers für das Gewissen

Menschenrechte, die Macht der Finanzmärkte, Umverteilung, Hungersnöte und die Entdeckung des eigenen Gewissens – zu all diesen Themen spricht Jean Ziegler auf Konferenzen, Kongressen, Demonstrationen sowie in Fernseh- und Radio-Studios. Trotz seines Alters von 83 Jahren trägt er bei Tagungen im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats vor, reist nach Kuba und arbeitet auf seiner alten Schreibmaschine an dem nächsten Buch. Nicolas Wadimoff begleitet den bekannten Globalisierungskritiker filmisch und bringt ihn dem Publikum auf einer sehr persönlichen Ebene näher, mit all seiner Energie, seinem Idealismus, seinem Wissen, aber auch seinen Widersprüchlichkeiten.

Jean Ziegler, der 1934 in Thun in der Schweiz geboren wird, beginnt nach seinem Studium der Rechtswissenschaften bei den Vereinten Nationen zu arbeiten und reist als UN-Experte für zwei Jahre nach Afrika. Das Elend, das er dort sieht, verändert ihn vollkommen und er wendet sich nach seiner Rückkehr dem Kommunismus zu. Als er bei der ersten Weltzuckerkonferenz der UNO im Jahr 1964 auf sein Idol Ernesto „Che“ Guevara trifft und diesem in den Kampf nach Südamerika folgen möchte, rät ihm Guevara, er solle dort kämpfen, wo er zuhause ist und er könne in Europa die Wurzel allen Übels bekämpfen. Das macht sich Jean Ziegler zur Lebensaufgabe.

Der Dokumentarfilm gibt nur einen kurzen Überblick über Jean Zieglers Biografie – seine Kindheit, Studium und seine spätere jahrelange Professur für Soziologie an der Universität Genf sowie zahlreiche Verleumdungsklagen von Bankern und Staatsmännern, die Ziegler im Laufe der Zeit in den Bankrott getrieben haben – und versteht sich eher als eine Bestandaufnahme der Gegenwart. Neben der Anerkennung für seine Arbeit als ständiger Stachel im Fleisch gewissenloser Machthaber, war er jedoch auch immer wieder mit Kritik konfrontiert, etwa wenn es um seinen Umgang mit Gaddafi oder seine Haltung im Konflikt zwischen Israel und Palästina geht. Auch einige Ansichten, die er in Wadimoffs Film äußert, wie die nahezu kritiklose Anerkennung von Fidel Castros Politik in Kuba erscheinen fragwürdig. Gleichzeitig vermittelt die Dokumentation jedoch auch, dass Ziegler gewisse Ansichten recht stur verteidigt, aber auch bereit ist Fehler einzugestehen und stets die Diskussion und den intellektuellen Austausch sucht. Überall kommt er mit Menschen ins Gespräch, liebt es über Politik und die Gesellschaft zu sprechen oder über das Leben zu philosophieren. Vor allem mit seiner Frau Erica, die ihn laut eigener Aussage immer wieder auf wunderbare Weise von seinen Träumereien auf den Boden der Realität zurückholt.