Anhand von drei ausgewählten Dörfern wird exemplarisch das Leben der bäuerlichen Bevölkerung Chinas am Übergang von Sozialismus zu Marktwirtschaft dokumentiert.
Alle Welt blickt seit Jahren gespannt nach China, gilt es doch als Inbegriff von Wirtschaftswachstum und als mögliche Supermacht der Zukunft. 2008 veranstaltet das Land die Olympischen Spiele und wird damit weltweit zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich lenken. Die Filmemacherinnen Elke Groen und Ina Ivanceanu haben gutes Gespür für ein relevantes Thema bewiesen und sich schon in den Jahren 2002 bis 2005 dem bevölkerungsreichsten Staat der Welt gewidmet. Genauer dem ländlichen Teil, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung (800 Millionen Menschen) in eineinhalb Millionen Dörfern leben. Jeder siebte Mensch auf der Welt ist also eine chinesische Bäuerin oder ein chinesischer Bauer. Die ländliche Bevölkerung hat die chinesische Geschichte entscheidend mitgeprägt und befindet sich heute am Scheideweg zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft. In zahlreichen Interviews mit Bewohnern aus drei ausgewählten Dörfern gestalteten die Filmemacherinnen ein exemplarisches Bild der aktuellen Entwicklungen. Der Dorfalltag wurde mit einfacher dokumentarischer Kamera festgehalten.
Auf tiefer greifende Porträts von Einzelpersonen verzichten die Regisseurinnen, vielmehr zeigen sie eine Art Lagebericht chinesischen Dorflebens zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Als westeuro-päischer Individualist staunt man nicht schlecht, wie sehr die vorhandenen sozialistischen Strukturen das Leben jedes Einzelnen prägen. Die von staatlichen Autoritäten ausgegebenen Vorschriften regeln nicht nur gemeinschaftliche Belange, sondern greifen auch stark ins Private ein. So bekommen etwa Familien öffentlich – wie in Europa Hotels – „Sterne“ verliehen, welche deren Leistung bei Geburtenplanung, Redlichkeit, Kindererziehung oder Pflichterfüllung bewerten. Modelldörfer werden von der Partei mit Auszeichnungen wie „Dorf mit kleinem Wohlstand“ oder „Dorf mit hundert Stärken“ belohnt. Vor allem im fortschrittlichsten Dorf Jiangjiazhai, das vom „Sozialismus mit chinesischem Gesicht“ geprägt ist, spürt man auch stark die teils absurden Auswirkungen einsetzender Marktwirtschaft. Groen und Ivanceanu dokumentierten in Jeder siebte Mensch eine sich vollziehende Entwicklung, die wohl nicht nur für die Zukunft Chinas wichtig ist. Das Schicksal dieser rund 800 Millionen Menschen, die vom rasanten Wachstum der Großstädte bislang ausgeschlossen waren, wird auch für den Rest der Welt nicht ohne Konsequenzen bleiben.
