Literaturtipp

Jörg Buttgereits Captain Berlin #11

| Oliver Stangl |
Der Comic-Held der deutschen Hauptstadt ist zurück – und muss sich in seinem neuesten Abenteuer mit einem karrieregeilen Doppelgänger herumschlagen.

Rund zwei Wochen, bevor es an die Endredaktion der aktuellen Printausgabe ging, erhielt ich eine E-Mail vom geschätzten „ray“-Kolumnisten Jörg Buttgereit. Ob man die Kolume wegen Arbeitsüberlastung ausnahmsweise mal ausfallen lassen könne? „Selbstverständlich, lieber Kollege, kein Problem“, lautete die Antwort. Wenn jemand stets so zuverlässig liefert wie Buttgereit, kann man schon mal ein Auge zudrücken. Doch was trudelte drei Tage später im elektronischen Posteingang der Redaktion ein? Natürlich die neue Buttgereit-Kolumne. Wenn das mal kein Paradebeispiel für preußische Disziplin ist. Oder für unstillbaren Tatendrang. Oder verfügt der deutsche Autor, Film- und Theaterregisseur Buttgereit gar über Superkräfte? Dies würde jedenfalls zu seinem Alter Ego Captain Berlin passen. Rund um die (manchmal) politisch unkorrekte Superheldenparodie hatte Buttgereit nämlich soeben – der Grund für die Arbeitsüberlastung – ein weiteres Hörspiel finalisiert, und seit kurzem ist auch ein neuer Comic an den gut sortierten Kiosken dieser Erde erhältlich.

Die erste Story in der immerhin schon 11. CB-Ausgabe nennt sich „Captain Berlin gegen Captain Bootleg“ (Text: Levin Kurio, Jörg Buttgereit) und liefert, was der Titel verspricht: Der Captain – im zivilen Leben der Reporter Fritz Neumann, der Jörg Buttgereit verdächtig ähnlich sieht – muss sich mit einem Doppelgänger herumschlagen. Dabei werden auf satirische Art Fragen nach Original, Fälschung, Kommerz und Lizenzverträgen angeschnitten; Meta-Elemente finden sich ebenso wie Anspielungen auf Kampfsportfilme. Wer etwa vorher noch nicht wusste, was sich hinter dem Label „Bruceploitation“ verbirgt, lernt gleich noch was dazu – prodesse et delectare at its best. Was den visuellen Aspekt betrifft, ist ersichtlich, dass Comic-Künstler Jurek Malottke viel Spaß mit greller Farbgestaltung und übersteigerter Figurenzeichnung hatte.

Die Zeichnungen zur romantischen Zweitstory, „Roboter der Liebe“ (Text: Levin Kurio, Jörg Buttgereit), stammen von Martin Trafford und sind in einem realistischeren Stil gehalten, was einen netten Kontrast darstellt. In den siebziger Jahren angesiedelt, geht es hier ebenfalls um einen Doppelgänger: Ein Captain-Berlin-Roboter soll den Freund der Teenager-Tochter des echten Captains spielen. Warum das so ist, wird an dieser Stelle aber nicht gespoilert.

Abgerundet wird der im Retro-Stil layoutierte Comic mit einer Doppelseite, die einige von Captain Berlins Gegnern anführt sowie einem Briefkasten mit leidenschaftlicher Fanpost.

Wem die US-Comic-Helden schon auf den Geist gehen, findet hier vielleicht sein Gegengift, und Buttgereit-Fans werden ohnehin auf ihre Kosten kommen.