Im 2017er-Sequel zum Überraschungshit „John Wick“ (2014) legt Regisseur Chad Stahelski noch ein Action-Schäuferl nach. Ab 1. Mai auf Amazon Prime.
2014 schien es so, als sei die Zeit der eher mittelbudgetierten Actionfilme vorbei. An den Kinokassen regierten bereits Superhelden-Blockbuster, das andere Ende des Spektrums wurde (grob gesagt) von Arthouse-Filmen bedient. Auch Keanu Reeves, spätestens mit The Matrix (1999) zum Superstar geworden, hatte zu jener Zeit bereits eine mehrjährige Durststrecke in Sachen Box Office hinter sich. Sein Regiedebüt etwa, der Martial-Arts-Film Man of Tai Chi (2013), von der Kritik durchaus wohlwollend aufgenommen, war ein gewaltiger Flop an der Kinokasse. Umso überraschender kam dann der finanzielle Erfolg des mit „nur“ 20 Millionen Dollar budgetierten John Wick – hier ergaben die Talente des Regisseurs und Action-Choreografen Chad Stahelski im Zusammenspiel mit Reeves’ physischem Spiel einen Leckerbissen (nicht nur) für Genrefreunde.
Das Sequel schließt direkt an den Vorgänger (eine Besprechung finden Sie hier) an: Profikiller John Wick hat seinen Ford Mustang wieder und mit der Russen-Mafia Frieden geschlossen, als der italienische Mafioso Santino D’Antonio bei ihm auftaucht und die Einlösung eines alten Gefallens fordert. Doch erst nachdem die Designerhütte des widerwilligen Wick per Granatwerfer zerstört wurde, macht dieser sich auf, den Gefallen einzulösen: Er soll Santinos Schwester töten, damit der Bruder ihren Platz in der obersten Etage des weltweit größten Verbrechersyndikats einnehmen kann. Als wäre dies nicht genug, wird auch noch auf Wick selbst ein Kopfgeld ausgesetzt, sodass beinahe jeder Profikiller dieses Planeten hinter ihm her ist. Hinzu kommt schließlich noch eine weitere Partei: Ein New Yorker Sandlerkönig (Laurence Fishburne), dessen Männer überall im Big Apple verteilt sind, unterstützt Wick, um sein eigenes Süppchen zu kochen …
Wie schon im ersten Teil ist die schnöde Alltagsrealität Nebensache; in der phantasievollen Killer-Parallelwelt, die der Film kreiert, regieren Stilisierung und Kampfchoreografie. Stahelski stellt die Fans des ersten Teils dabei überaus zufrieden: Er gibt ihnen, was sie wollen, variiert das Ganze aber derart, dass es nicht repetitiv wirkt. Der nächtliche Schauplatz Rom etwa – Wick wird zunächst durch antikes ein Tunnelsystem gehetzt und stürzt, in einen Widersacher verkeilt, über Dutzende von Steinstufen – ist ebenso reizvoll in Szene gesetzt wie mehre Gun-Fu-Kämpfe im Museumskontext. Besonders eine Sequenz, die sich über mehrere Stockwerke in einer Sammlung für moderne Kunst erstreckt, ist mit ihrem Aufeinanderprall von flashigen Lichtinstallationen, Spiegelungen und Kampfsport-Schießereien ein visuell ansprechendes Vergnügen.
In Sachen Schauspiel wird man ebenfalls wieder zufriedengestellt: Reeves’ Minimalismus passt perfekt zu Wick, der hier im Gegensatz zur Widerwilligkeit des ersten Teils seine kaltblütig-professionelle Seite zeigen kann (wenngleich er es an Respekt für Berufskollegen nicht fehlen lässt). Dazu kommen schöne, mit schwarzem Humor garnierte Auftritte von Franco Nero als römischer Killerhotel-Manager („Beantworte mir eine Frage: Bist du wegen des Heiligen Vaters nach Rom gekommen?“) oder von Lance Reddick, der seine lakonisch-diplomatische Portiersrolle aus dem ersten Teil hier noch weiter ausbauen darf. Sehr amüsant auch, wenn „Weinverkostung“ und „Anzug-Anprobe“ Codes für Waffentest und Ausstaffierung mit kugelsicherer Kleidung sind. Und das Beste: Wie bei Teil 1 wird einem die Action nicht durch chaotische Schnitte und Schüttelkamera vermiest – wenn Wick seine Gegner eliminiert, wirkt das übersichtlich und ästhetisch.
