Filmkritik

Judas and the Black Messiah

| Gunnar Landsgesell |
Die Ermordung von Black Panther Fred Hampton als fast religiöse Parabel

„America is on fire“, darüber ist sich die Fraktion der Black Panther Party in Chicago einig. „We are at war“ ist eine Parole, die im Film niemand hätte aussprechen müssen. Es ist ein äußerst zugespitztes Kapitel afroamerikanischer und damit US-amerikanischer Geschichte, das Judas and the Black Messiah im Stakkato seiner Bilder präsentiert. Erhobene Fäuste, gezogene Waffen, Spitzel und Folter. Dazwischen aber auch die aufblitzenden Visionen einer militanten Gruppierung, die dem Kapitalismus der Weißen einen farbenblinden Sozialismus entgegensetzen wollte. Vor der Südstaaten-Flagge findet das weiße Proletariat sich mit den schwarzen Brüdern.

Es gibt viele ikonische Bilder in diesem Film, und an der Spitze der Ikonografie steht Fred Hampton (Daniel Kaluuya, Oscar als Bester Nebendarsteller), Chef der BPP in Chicago und „Black Messiah“ dieses Films. Hampton wurde mit nur 21 Jahren im Schlaf erschossen, als Teil des streng geheimen Cointelpro-Programms, mit dem das FBI Krieg gegen Commies und andere Dissidenten führte. Der berüchtigte FBI-Chef J. Edgar Hoover (Martin Sheen) ist im Film aber nur eine Randfigur. An seinem Schreibtisch trinkt er aus einer Flasche Bier und gibt Anweisungen.

Regisseur Shaka King hat seine Erzählung mit dem unmittelbaren Gegner Hamptons gerahmt: Bill O’Neal (LaKeith Stanfield), eine reale Figur, war lange Mitglied der BPP und für die „Feds“ als Spitzel aktiv. Im Film schleust er sich in den inneren Kreis um Hampton ein und wird zum entscheidenden Mittäter. Judas and the Black Messiah setzt dabei aber nicht auf die Mittel des Paranoia-Thrillers, sondern macht die Differenz seiner zwei Protagonisten auf einer ideologischen, fast religiösen Ebene (siehe Titel) fruchtbar. Die Panther als Sozialrevolutionäre mit dem Hang, das Volk zu einen; und der Verräter ohne Überzeugungen, den das Geld antreibt. Dabei scheut sich der Film nicht, Partei zu ergreifen und greift geschickt den aktuellen Diskurs für einen historischen Rückgriff auf.