In Beverly Hills werden die 73. Golden Globes vergeben. „ray“ spekuliert mit.
Wenn heute abend um 17 Uhr Ortszeit der notorisch ungehobelte Ricky Gervais die Bühne des Beverly Hilton betritt, um An- und Abwesende sowie die Veranstaltung selbst flächendeckend durch den Kakao zu ziehen, dann ist das natürlich „part of the show“. Sich über die Golden Globes (und ihre möglichen Preisträger und -innen) lustig zu machen, gehört quasi zum guten Ton, ändert aber nichts daran, dass doch jede und jeder eine der Trophäen haben will. Und außerdem gelten die Globes nach wie vor als aussagekräftiger Indikator für die am 29. Februar zu vergebenden Oscars, deren Nominierungen am 14. Jänner, also unmittelbar nach der Golden-Globe-Vereihung bekanntgegeben werden.
Was die Globes von den Oscars unterscheidet, ist bekanntlich, dass hier auch Leistungen im Fernsehbereich ausgezeichnet werden, und dass die wichtigsten Preise (außer für Regie) – nicht immer ganz nachvollziehbar – in „Drama“ und „Comedy/Musical“ unterteilt werden. Dass etwa Joy und The Martian in die letztere Kategorie fallen, darauf muss man erst einmal kommen. Und auch The Big Short hat einen derart ernsten Hintergrund, dass einem die vordergründig flockig-lockere Aufarbeitung des Immobilien-Crash von 2008 nicht so recht komödiantisch erscheinen will. Sei es, wie es sei – hier die „Preisvergabe“ aus dem „ray“-Büro heraus, mit dem einen oder anderen Versuch der „Begründung“. Das meiste davon ist aber natürlich Spekulation, von Sympathie gesteuert, oder schlicht Wunschdenken. Und wir bleiben beim Film, um den Rahmen nicht zu sprengen:
Bester Film (Drama): Es kann nur einen geben: Carol von Todd Haynes, jedenfalls, was die Machart betrifft. Geht man vom Thema aus, dann hat wohl Spotlight, Tom McCarthys Film über Missbrauch in der Katholischen Kirche, große Chancen.
Bester Film (Comedy/Musical): The Big Short – großartiges Drehbuch, großartige Darsteller: Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt. Den Vogel schießt aber, wie so oft, Christian Bale ab.
Beste Regie: aus sentimentalen Gründen George Miller, aber mehr für die ersten drei Mad-Max-Teile in den Achtzigern als für den neuen. Und mit Bonuspunkten für Ein Schweinchen namens Babe.
Bester Hauptdarsteller (D): Leonardo DiCaprio. Nicht, weil er in The Revenant so toll spielen würde, sondern mehr schon ein Lifetime Achievement Award.
Beste Hauptdarstellerin (D): Cate Blanchett/Rooney Mara für Carol. Anders als in Cannes diesmal bitte schwesterlich geteilt. (Geht natürlich nicht. Also dann doch wieder Rooney Mara.)
Bester Hauptdarsteller (C/M): Christian Bale als Hardrock hörender, barfuß gehender Börsen-Wahnsinniger in The Big Short (siehe oben). Einfach umwerfend.
Beste Hauptdarstellerin (C/M): Jennifer Lawrence für Joy. Die bei weitem Jüngste in der Nominierten-Riege (Amy Schumer, Melissa McCarthy, Lily Tomlin, Maggie Smith) sticht alle aus.
Bester Nebendarsteller: Paul Dano für Love & Mercy. Ihn in diesem Film als „Nebendarsteller“ zu bezeichnen, ist absurd – er spielt neben dem ebenso großartigen John Cusack (nicht nominiert) die Hälfte der Rolle als Beach-Boys-Genie Brian Wilson.
Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander für Ex Machina. Siehe Paul Dano. „Nebendarstellerin“? Sie ist das Zentrum des Films. Seltsame Kategorisierung.
Bestes Drehbuch: Quentin Tarantino für The Hateful Eight. Da führt wohl kein Weg dran vorbei. Drei Stunden messerscharfer Dialog müssen sich lohnen.
Beste Filmmusik: Ennio Morricone für The Hateful Eight. Da führt wohl kein Weg dran vorbei. Drei Stunden legendenumwobene Musik müssen sich lohnen.
Bester Filmsong: „One Kind of Love“ aus Love & Mercy. Der Song stammt von Brian Wilson, also kann es keinen anderen Gewinner geben.
Bester Animationsfilm: Das ist sicherlich die schwierigste Vorhersage. Favorit ist wohl Pixars Inside Out, die „ray“-Sympathien liegen aber bei Mark Burtons und Richard Starzaks Shaun the Sheep Movie.
Bester fremdsprachiger Film: Auch schwierig. Auf Grund des Holocaust-Themas und des Aufsehens, das der Film erregt hat, tippen wir auf den ungarischen Beitrag Son of Saul von Lászlo Nemes.
