Der renommierte Fotograf Jürgen Vollmer legt ein schönes Buch vor, in dem intime Fotografien von Berühmtheiten auf unterhaltsame Anekdoten treffen.
Wir sahen jemanden in Hamburg, dessen Haare uns gefielen. John und ich sind per Anhalter nach Paris gefahren. Wir baten ihn, unsere Haare so wie seine zu schneiden. Er lebte in Paris. Er war ein künstlerischer Typ, ein Fotograf, der jeden kannte. Sein Name war Jürgen.“ So schilderte Paul McCartney 1980 die Genese der berühmten Beatles-Pilzköpfe. Der 1939 in Hamburg geborene Jürgen Vollmer kann sich also einiges auf sich einbilden. Doch obwohl er mit den Stars aus Film, Musik und Mode auf Du und Du war und ist, bezeichnet er sich in seinem bei Edel erschienenen Buch als sozial unbegabt. Neben den hervorragenden Fotografien (es dominieren Schwarzweiß-Aufnahmen), die zwischen Stilisierung und Intimität changieren, sind es die damit zusammenhängenden Anekdoten, die den Reiz des Bandes ausmachen. So lud ihn 1966 keine Geringere als Romy Schneider, die er während eines Jobs als Setfotograf kennengelernt hatte, auf eine Cocktailparty ein. Der Haken: „Ich gehe grundsätzlich nicht auf Partys (…) egal wer mich einlädt. Das hat mit meiner Schüchternheit zu tun, genauer gesagt, mit einer psychischen Störung. Dass meine Angst vor geselligem Beisammensein ,soziale Phobie‘ genannt wird, habe ich allerdings erst (…) von einem Psychiater in New York erfahren.“ Vollmers Kneifen hatte zur Folge, dass Romy ihn halb im Ernst mit einem Drehbuch verprügeln wollte und – siehe Buchtitel – zur Flucht zwang. Die Geschichten des Weltbürgers sind mal amüsant, mal traurig. Unter letztere Kategorie fällt etwa die Entfremdung von Lennon, nachdem dieser berühmt geworden war und wie ein Wesen von einem anderen Planeten wirkte. Irgendwo dazwischen liegt der Grund für sein Engagement als Setfotograf für Polanskis Pirates: Der Maestro ließ Vollmers Vorgänger feuern, weil ihn dessen Fotos „deprimierten“. Neben Legenden des amerikanischen und europäischen Films geben sich im Band so unterschiedliche Ikonen wie Rudolf Nurejew, Madonna oder William S. Burroughs ein Stelldichein – Highlights zwischen Hollywood und Arthouse finden Sie auf den folgenden Seiten.
