Alles beim Alten: Der Jumanji-Fortsetzung fehlt es an Mut, Neuland zu betreten, wandert dafür auf altbekannten Game-Pfaden. Immer noch lustig, aber auch ermüdend.
Spencer (Alex Wolff) fühlt sich im Gegensatz zu seiner (ehemaligen?) Freundin Martha (Morgan Turner) am College gar nicht wohl. Frustriert schlichtet er Regale im Supermarkt, neue Freunde hat er keine gefunden. Mit seiner alten Gang – Martha, der Footballspieler Fridge und die Cheerleaderin Bethany, die sich allesamt in ihrem neuen Jung-Erwachsenen-Leben pudelwohl fühlen – steht dafür demnächst ein Treffen an. Zu diesem taucht Spencer jedoch nicht auf. Martha ist bald klar: Der Junge ist erneut im Jumanji-Game gelandet! Obwohl nicht gerade erfreut darüber, beschließen die drei, ihn zu retten und der Videospiel-Welt einen letzten Besuch abzustatten. Weil die Konsole aber defekt ist, werden statt Bethany Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und dessen ehemaliger Kumpel Milo (Danny Glover) ins Spiel gezogen. Beim Bodyswitch ist obendrein etwas gehörig schiefgegangen, denn plötzlich findet sich Eddie im muskelbepackten Körper von Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson) wieder und Sportler Fridge muss sich mit dem dicken Bauch von Kartenleser Shelly Oberon (Jack Black) herumschlagen. Auch die Spielewelt hat sich gehörig verändert – statt Dschungel erwartet die Spieler unter anderem eine karge, aber mindestens ebenso gefährliche Wüstenlandschaft …
Die Spielorte haben sich geändert – statt dem Dschungel gibt es nun Wüste, Eis und Schnee –, ansonsten ist alles beim Alten geblieben; im Grunde geht Jumanji: The Next Level, obwohl handlungstechnisch einige Jahre später angesiedelt, dort weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat – nicht überraschend, zeichnen für das Drehbuch doch erneut Jeff Pinkner und Scott Rosenberg verantwortlich: Die Rahmenhandlung ist einmal mehr minimal und nur dazu da, um dem Videogame eine Existenzberechtigung zu verschaffen, immer noch stehen Action und Humor im Mittelpunkt, gerne auch auf Kosten der Logik und der Dreidimensionalität der Figuren. Diese nämlich sind immer noch dieselben wie vor zwei Jahren, eine charakterliche Weiterentwicklung gibt es nur in sehr zarten Ansätzen, das hätte wohl zu sehr den Wiedererkennungswert gestört.
Genau den stellt Regisseur Jake Kasdan über alles andere: Der humorige Bodyswitch aller Figuren, immerhin Markenzeichen des Vorgängers, das diesen auch zum Überraschungserfolg 2017 machte (weltweit knapp eine Milliarde USD Einspielergebnis), steht diesmal noch mehr im Mittelpunkt, wird aber derart überspannt, dass er im Verlauf des Films einiges an Originalität einbüßt. Ähnlich geht es einem mit den überbordenden Actionszenen: Natürlich, Jumanji: The Next Level ist nach wie vor ein visueller Genuss, all die technischen Tricks und Special Effects ermüden aber sehr bald, es macht sich ein „Been there, done that“-Gefühl im Zuseher breit. Trotzdem, bei aller Kritik: Sie macht immer noch Spaß, diese Vorstellung, in einem Videogame gefangen zu sein und selbst zur Actionfigur zu werden – besonders in Zeiten von boomenden und sowohl inhaltlich als auch grafisch immer hervorragender werdenden Konsolenspielen. Zumindest hier hat die Jumanji-Grundidee nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt.
Apropos Spaß: Die Spielfreude sieht man den Darstellern an, allen voran Dwayne Johnson (als Danny DeVito) und Awkwafina (ebenfalls als Danny DeVito) stechen aus dem Ensemble heraus. DeVito selbst liefert als grantiger Opa auch eine unterhaltsame Vorstellung, das Potenzial von Danny Glover wird jedoch maßlos verschenkt. Jack Black als Bethany nervt immer noch, Kevin Hart hat erneut nicht wahnsinnig viel zu tun, auch wenn er zu Beginn als Danny Glover für einige Lacher sorgt. Und Colin Hanks und Nick Jonas? Ja, die sind halt auch dabei.
Obwohl der Endgegner diesmal ärgerlich flach bleibt, funktionieren der Meta-Humor und die auf die Spitze getriebenen (Game-)Klischees innerhalb des Videospiels immer noch wunderbar, dass sich der Film bei den inzwischen älter gewordenen Teenagern im „echten“ Leben aber ebenso auf Stereotypen stützt und verlässt, scheint Kasdan auch im Nachfolger nicht bewusst zu sein – oder konsequent zu ignorieren. Überhaupt setzt er alles daran, ein Action-Abenteuer zu liefern, das zwar – zumindest großteils – gut unterhält, aber zu keinem Zeitpunkt in die Tiefe geht: Dass es sich innerhalb des Spiels um Leben und Tod handelt, wird zwar mehrfach betont, aber man nimmt es den Charakteren (bzw. den Darstellern) nicht wirklich ab. Auch die Thematik des Älter-Werdens, hinter all der krachenden Action und dem Schenkelklopfer-Humor der zarte rote Faden des Films, hätte zumindest eine weniger klischeehafte und vorhersehbare Auflösung verdient. Das Ende, nämlich eine liebevolle Hommage an Jumanji aus 1995, zaubert einem trotzdem ein Lächeln ins Gesicht – und setzt alle Game-Fahnen Richtung Fortsetzung.
