Menschen, Dinos, Sensationen
Dinosaurier ziehen immer – besonders seit Steven Spielbergs Jurassic Park (1993) die urzeitlichen Kreaturen, die auf der Leinwand bis dahin entweder in Zeichentrickform oder als ruckelige Stop-Motion-Figuren daherkamen, verblüffend echt erscheinen ließ. Die Michael-Crichton-Adaption, die bahnbrechende Effekte mit Spannung, Action und einem Hauch von Kritik an der menschlichen Hybris verband, brach sämtliche Kassenrekorde, und hatte die Sequels The Lost World (1997, Spielberg) und Jurassic Park III (2001, Joe Johnston) zur Folge, die künstlerisch zwar bei weitem nicht an das Original heranreichten, aber immer noch jede Menge einspielten. Und da man so eine Goldgrube in Hollywood natürlich nicht brach liegen lässt, kehrt man nun nach längerer Kreativpause auf jene zentralamerikanische Insel zurück, auf der alles seinen Anfang nahm: Im Original hatte Milliardär John Hammond (Richard Attenborough) auf Isla Nublar die Dinos mittels Gentechnologie wiederauferstehen lassen, doch die Biester ließen sich trotz ausgeklügelter Sicherheitseinrichtungen nicht unter Kontrolle halten und fraßen respektive zertrampelten so manchen Menschen. Hammond musste seine Niederlage eingestehen und der Themenpark, der Entertainment und Wissenschaft in Einklang bringen wollte, schien Geschichte zu sein.
Da die menschliche Gier aber nunmal keine Grenzen kennt, gibt es in der viele Jahre später spielenden Fortsetzung Jurassic World, die die Ereignisse der anderen Sequels igoniert, gleich mehrere Themenparks mit hunderten von Sauriern. Der Exotenbonous der Giganten hat sich allerdings in der Zwischenzeit etwas abgenützt, daher züchtet man im Labor des Konzerns, dem das Eiland mittlerweile gehört, einen gewaltigen Hybrid namens Indominus rex, der sogar den Tyrannosaurus rex in den Schatten stellt. Doch nachdem das Vieh hochintelligent ist, sich tarnen kann und über enorme Lust am Töten verfügt, entkommt es sogleich und überzieht die Insel mit einer Spur des Terrors, die sich durch den daraus resultierenden Ausbruch anderer Saurier noch potenziert. Mit der Illusion von totaler Kontrolle ist es also wieder einmal vorbei, die Geschichte wiederholt sich und der Mensch bekommt die Rechnung für seine Überheblichkeit präsentiert – nur in größerem Maßstab.
An menschlichen Charakteren stehen diesmal der Velociraptoren-Trainer Owen Grady (Chris Pratt) und die Park-Managerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) im Zentrum, die sich eigentlich nicht ausstehen können, aber durch den Ausbruch des Monstersauriers bald aufeinander angewiesen sind. Schließlich sind Claires Neffen Gray und Zach, deren zuhause gebliebene Eltern kurz vor der Scheidung stehen, zu Besuch auf der Insel – und gehen prompt verloren. Die Figuren mögen relativ schematisch sein, aber Pratt und Howard machen mit natürlichem Charisma das Beste daraus und die Chemie zwischen den beiden stimmt ebenfalls. Besonders Pratt empfiehlt sich hier als Actionheld mit komischem Talent. Die Kinder dagegen wirken eher wie eine Pflichtübung und der ansonsten exzellente Vincent D’Onofrio, der die Saurier in einer Nebenhandlung zu militärischen Kampfmaschinen machen möchte, muss sich mit einer ziemlich flachen Schurkenrolle begnügen.
Die Hauptsache sind aber natürlich ohnehin die Saurier, die hervorragend animiert sind und ziemlich echt wirken – egal ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. An Zweikämpfen herrscht kein Mangel (beispielsweise tritt ein Ankylosaurus gegen den Indominus an) und durch Owens Interaktion mit den Raptoren kann man sogar so etwas wie eine Beziehung zu den Dinos aufbauen. Das Sounddesign spielt alle Stückeln und trägt entscheidend zur Effektivität des Films bei – wann immer ein Saurier zubeißt oder mit dem Fuß aufstampft, kracht und donnert es, dass es eine Freude ist. Apropos Sound: Für einen Hauch von Nostalgie sorgt John Williams’ musikalisches Hauptthema aus Teil eins, dass Komponist Michael Giaccino hier ausgiebig erklingen lässt.
Colin Trevorrow inszeniert temporeich und mit zahlreichen Anspielungen auf das Original, wobei auch das Spielbergsche Sentiment – vor allem in den Szenen mit den Kindern – ausreichend zitiert wird. Zahlreiche Panoramashots sorgen zudem für Schauwerte und das Mehr an Sauriern und Inselbesuchern erlaubt eine breite Palette an Action und Massenszenen (wenn man die Metaebene bemühen wollte, könnte man hier Parallelen zwischen den nach visuellem Spektakel gierenden Kinobesuchern und den sensationslüsternen Jurassic-World-Touristen ziehen; der Dino-Konzern wäre dann mit Hollywood gleichzusetzen).
Insgesamt gelingt es Trevorrow, eine gelegentlich mit Humor aufgelockerte Atmosphäre der Bedrohung zu kreieren und den Spannungsbogen über weite Strecken zu halten, auch wenn es ein oder zwei Szenen, in denen die Protagonisten dem Tod in allerletzter Sekunde von der Schaufel springen, nicht gebraucht hätte – das hat man dann doch schon zu oft gesehen. Summa summarum jedenfalls ein unterhaltsamer Film, der seinen Job als Sommerblockbuster recht anständig erfüllt.
