Kairo All Inclusive

Kairo All Inclusive

| Verena Teissl |

Der Dokumentarfilm versucht das „Lebensgefühl in einer orientalischen Megacity“ wiederzugeben, findet dafür aber
weder Sprache noch Autorenposition.

Kairo All Inclusive, auf Video gedreht, gehört zu jenen dokumentarischen Arbeiten, die ärgerliche Ratlosigkeit erzeugen. In sieben Kapiteln, geordnet nach archaischen Grundthemen – Geburt, Leben, Arbeit, Religion, Schicksal, Sehnsucht und Tod – wird das Leben in der Metropole regelrecht vorgestellt, um nicht zu sagen verstellt. Regisseur Walter Größbauer geht mit freundlicher Wertschätzung gegenüber den Protagonisten und nach den Regeln jener Kunst vor, deren Selbstverständnis sich in der aus Gegensätzen entstehenden Spannung und spontanen Überraschungen genügt. Er scheint dabei davon auszugehen, dass Kairo ganz allgemein als „Inferno der menschlichen Existenz“ wahrgenommen wird, und dieses Vorurteil sollen seine Annäherungen an den Alltag nun widerlegen. Diese Unterstellung an das Publikum ist umso ärgerlicher, als Größbauers filmische Erkundungen sich selbst in Klischees erschöpfen. Das Kapitel „Sehnsucht“ wird mit einer Bauchtänzerin bebildert, und „Tod“ mit dem Schächten einer Ziege. Größbauer strebt einen Essay an, doch sein Film spricht die Sprache der Reportage und eine antiquiert anmutende ethnologische Grundhaltung prägt die Kameraführung.

Die Revolution des ethnologischen Films kam von innen, Jean Rouch oder Dennis O’Rourke bedienten sich für ihre Filme der Empathie und der kritischen Auseinandersetzung mit dem europäischen Kulturkreis. Kairo All Inclusive tut weder das eine noch das andere und scheut sich zudem davor, eine erkennbare Position zu beziehen. Walter Größbauers in bester Absicht gedrehter Film muss wohl zu jenen Produktionen gezählt werden, die uns immer wieder daran erinnern, dass es zum Filmemachen mehr als Equipment, Idee und Motivation braucht: nämlich Vision und die tiefere Kenntnis des Mediums und seiner Magie.  Im Übrigen kann es sogar das Niveau des Scheiterns erhöhen, sich an die Kraft der Poesie zu wagen.

Produziert wurde Kairo All Inclusive von Fortuna-Media, Größbauers Agentur für Kunst und Medien, welche Filmentwicklung und -fertigstellung anbietet, um die Produktion abseits des TV-Supermarktes und seiner Oberflächlichkeit anzuregen. Ein durchaus notwendiges Unterfangen, das aber anstatt einer Abgrenzung eine tatsächliche Philosophie brauchen würde, um sich entsprechend zu positionieren.