King Richard

Filmkritik

King Richard

| Jörg Schiffauer |
Eindimensionales Biopic einer dominanten Vaterfigur

Unermüdlich trainiert Richard Williams (Will Smith) mit seinen beiden Töchtern Venus und Serena, obwohl die Bedingungen auf dem öffentlichen Tennisplatz in Compton, einem Stadtteil von Los Angeles, der eher als sozialer Brennpunkt denn als Ausbildungsstätte zukünftiger Champions gilt, recht schwierig sind. Das wird offenkundig, als sich die Mitglieder einer lokalen Gang der ältesten Tochter von Richard, die ihre Schularbeiten macht, während ihre Schwestern auf dem holprigen Court auf Bälle eindreschen, auf ziemlich unangemessene Weise nähern. Obwohl Richard klar ist, das mit den Burschen wirklich nicht gut Kirschen essen ist, befreit er seine Tochter nicht nur aus ihrer misslichen Lage, er stellt später die Gang-Mitglieder wegen ihres Verhaltens auch noch ziemlich rüde zur Rede. Das vorehrsehbare Ergebnis dieses Auftritts: Er wird übel zusammengeschlagen.

Diese kleine Episode macht das Grundmuster – und auch gleich den heldenhaften Status des Protagonisten – deutlich: King Richard erzählt die von ihrem Grundmotiv her bekannte Geschichte eines eigentlich chancenlosen Außenseiters, der gegen alle Widerstände unbeirrt seinen Weg geht. Und in der Tat muss Richard Williams Hindernisse auf vielen Ebenen überwinden, als er mit akribischer Zähigkeit daran geht, die sportliche Karriere seiner Töchter, die er praktisch von deren Geburt an geplant hatte, auf den Weg zu bringen. Nachdem auch nicht ausgewiesene Tennisexperten wissen dürften, dass die Williams-Schwestern Venus und Serena in ihrem Sport neue Maßstäbe setzten – so gewannen sie unglaubliche 30 Einzeltitel bei Grandslam-Turnieren –, generiert King Richard seine Spannung daraus, wie dieser steinige Weg absolviert werden konnte. Dass es dazu eines gewissen Durchsetzungsvermögens braucht, steht außer Streit. Doch Reinaldo Marcus Greens Inszenierung belässt es dabei, alle Verhaltensweisen der Titelfigur, die über Beharrlichkeit hinaus- und vielmehr in Richtung Egozentrik – und dabei gibt es so einiges bei Richard Williams – gehen, als mehr oder weniger schrullige Eigenheiten abzuhandeln. Zusehends driftet King Richard in Richtung einer sich stets um gute Stimmung bemühenden Hagiographie, die ihren Protagonisten merkwürdig eindimensional zeichnet, ab. Da gerät „King Richard“ zum Alleskönner, der als Autodidakt selbst den versiertesten und erfahrensten Tennistrainern die Feinheiten dieses Sports zu erklären vermag.

Nur kurz wird angerissen, dass es eine fast schon pathologische Furcht, nicht respektiert zu werden, ist, die Richard Williams antreibt und ihn förmlich zwingt, die Kontrolle über jedes Detail zu behalten – was in ihn streckenweise zu Art von Familientyrann macht. Will Smith bemüht sich in redlich, seiner Figur ambivalente Züge zu verleihen und auch die tragische Seite der Erfolgsgeschichte zu zeigen, doch gegen die penetrante Oberflächlichkeit von Skript und Regie bleibt das ein weitgehend aussichtsloses Unterfangen.