Am 30. August ging das wohl bisher mutigste Kitzbühel Filmfestival mit einer berührenden Gala erfolgreich zu Ende.
Nach der Corona-bedingten Absage der Diagonale und von Crossing Europe war es umso wichtiger, dass letzte Woche gleich drei österreichische Festivals (Kitzbühel, Freistadt und Netzhaut in Wiener Neustadt) zeigten, dass man ein qualitativ hochwertiges Event auch mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen organisieren kann. Gerade für ein kleineres Festival wie Kitzbühel, das stark vom Enthusiasmus seiner Macher lebt, ist es nicht selbstverständlich, dass die teilweise doch großen bürokratischen Hürden in Angriff genommen wurden, ohne zu wissen, ob die Großveranstaltungen heuer auch vom Publikum angenommen werden würden. Den Organisatoren kam natürlich zugute, dass zwei ihrer beliebtesten Events, das traditionelle Autokino und das Open Air Filmpicknick, sowieso den nötigen Abstand garantierten. Aber auch die Eröffnung, die Abschlussgala mit Veronica Ferres und die Österreich-Premiere des in Tirol gedrehten Will-Ferrell-Films Downhill (ein etwas geglättetes, aber über weite Strecken gelungenes Remake von Ruben Östlunds Turist) auf dem Kitzbüheler Horn waren trotz der verminderten Zuschauerkapazität stimmungsvoll wie immer.
Die Auslastung der regulären Kinovorstellungen blieb wahrscheinlich auch wegen des Virus doch etwas hinter den vergangenen Jahren zurück. Kitzbühel war jedoch schon immer ein Festival der Kontraste, das den wohl unmöglichen Spagat versucht, Filme mit starkem regionalem Bezug über Wilderer oder Skipioniere mit nicht immer leichter Arthouse-Kost wie dem formal ungewöhnlichem holländischen Werk Retrospekt, das sich einen österreichischen Verleiher verdient hätte, unter einen Hut zu bringen. Es ist dann doch erstaunlich, dass beim höchst durchschnittlichen deutschen Fernsehkrimi Spurlos in Marseille vom Veteranen Roland Suso Richter das vorwiegend junge Publikum sein Picknick im Freien sehr zahlreich genoss, während sich beim Screening der sensiblen Familiendoku Lost in Memories nur wenige Zuschauer in den großen Saal des Kitzbüheler Filmtheaters verirrten.
Immerhin erreichte die berührende Langzeitbeobachtung über den demenzkranken Vater des Regisseurs Ruud Lenssen die verdiente Anerkennung durch den Gewinn des Preises für den besten Dokumentarfilm. Zum besten Spielfilm wurde Arash T. Riahis Ein bisschen bleiben wir noch gekürt, der in Kitzbühel seine Österreich-Premiere feierte und ab Ende September in den heimischen Kinos zu sehen sein wird. Mit dem Regisseur freute sich bei der Abschlussgala auch einer der jugendlichen Hauptdarsteller, der die Nachricht des Preises live am Telefon äußerst enthusiastisch aufnahm. Natürlich waren heuer weniger internationale Gäste vor Ort als gewohnt, das wird sich hoffentlich im nächsten Jahr wieder ändern, es war auf jeden Fall wichtig und richtig, dass das Festival stattgefunden hat.
