Filmkritik

Königin der Wüste / Queen of the Desert

| Jörg Schiffauer |
Selbst Werner Herzog baut einmal nur auf Sand.

Vorweg einmal eine notwendige Klarstellung: Werner Herzog hat sich im Verlauf seines umfangreichen Schaffens, mit dem er in den siebziger Jahren zu einem der Leitfiguren des Neuen Deutschen Films avancierte und das mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnte umfasst, als einer der ganz großen Namen des Weltkinos etabliert. Ein Solitär, der so viele Regiearbeiten unterschiedlichster Natur dank seiner unverwechselbaren Handschrift zu Kinoerlebnissen gemacht hat, dass eine weniger gelungene – und um eine solchen handelt es sich bei Queen of the Desert – gar nichts am Gesamturteil zu ändern vermag.

Dabei scheint die zentrale Figur seines neuen Films mit ihrer Bereitschaft, für scheinbar Unmöglich gehaltenes gegen alle Widerstände zu verwirklichen ein geradezu prototypischer Werner-Herzog-Charakter zu sein: Die 1868 geborene Gertrude Bell widersetzte sich den strikten gesellschaftlichen Konventionen des viktorianischen Englands, absolvierte ein Geschichtestudium in Oxford, um sich in den folgenden Jahren auf ausgedehnten Forschungsreisen im Mittleren Osten als Archäologin und Expertin für Kultur und Bevölkerung der Region einen Namen zu machen. Während des Ersten Weltkriegs vertrauten selbst Militär und Geheimdienst des britischen Empires auf ihre Kenntnisse, ihr Einfluss in dieser Region war so groß, dass Bell nach Kriegsende auch an der von den europäischen Mächten abgesteckten politischen Neuordnung des arabischen Raums maßgeblich beteiligt war. Unschwer lassen sich deutliche Parallelen zu jener von T. E Lawrence erkennen, dem bekanntermaßen David Lean mit Lawrence of Arabia zu weltweiter Bekanntheit verhalf. Nun wäre es nicht fair, Queen of the Desert an Leans unerreichbarem Meilenstein der Filmgeschichte zu messen, doch mit sich selbst muss sich Meister Herzog schon vergleichen lassen. In seinen besten Arbeiten hatte der im positiven Sinn Film-Wahnsinnige Werner Herzog es verstanden, seine Besessenheit gleichsam auf seine Hauptfiguren zu übertragen und damit jene Sogwirkung zu generieren, die Filme wie Aguirre, Nosferatu – Phantom der Nacht und Fitzcarraldo so einzigartig machen. Da gab es allerdings mit Klaus Kinski einen Hauptdarsteller, dessen expressiven Wahnsinn Herzog kongenial zu kanalisieren verstand. Die Darstellerin der Titelheldin in Queen of the Desert, Nicole Kidman, ist bei all ihren schauspielerischen Qualitäten, nun nicht dafür bekannt, emotionale Grenzbereiche zu erforschen. Gertrude Bell bleibt so eine blasse Figur, deren Charisma nie spürbar wird, sondern nur durch Kommentare anderer Charaktere angesprochen bleibt. Wie in einem behäbigen Stationendrama arbeitet sich Queen of the Desert durch die Vita der Titelheldin, von der außer einigen dekorativen Landschaftsaufnahmen der Wüste wenig übrig bleibt.