Das Label Digatone bringt den von Gerhard Heinz komponierten Soundtrack zu Eddy Sallers „Geißel des Fleisches“ (1965) auf LP heraus – eine Perle der österreichischen Filmmusikgeschichte. Am 20. Juni wird das Album im rhiz präsentiert.
Gerhard Heinz, der 1927 in Wien das Licht der Welt erblickte, begann seine Karriere nach Ende des zweiten Weltkriegs als Musiker in diversen Big Bands. Zunächst spielte er Klavier, Klarinette und Saxofon, doch zu seiner großen Liebe wurde schließlich die Hammondorgel. Dieses 150 Kilo schwere, klanglich unverkennbare Instrument brachte Heinz auch mit dem Kino in Kontakt – sein erster Auftrag war die Vertonung einer Einbruchsszene, wie er sich im „ray“-Interview (Ausgabe 09/13) erinnert: „Ich stellte erfreut fest, dass ich für die fünf Minuten, die ich da mehr oder minder improvisiert hatte, im nächsten Jahr fünftausend Schilling an Vermögen erhielt. Das war für damalige Zeiten fast ein Vermögen.“ Über die Jahre vertonte Heinz (der auch die Musik zur Kindersendung Helmi schrieb) 136 Filme aus diversen Genres, darunter Softsexklamotten wie Josefine Mutzenbacher oder reißerische Werke des Trashgottes Jess Franco. Auch bei allen Bockerer-Filmen war er als Komponist tätig. Für die Musik zum Erotikfilm Griechische Feigen wurde Heinz in Japan übrigens mit einer Goldenen, in Hongkong gar mit einer Platinenen Schallplatte ausgezeichnet.
Die Musik zu Geißel des Fleisches war der erste Soundtrack, den Heinz in seinem eigenen Studio einspielte. Eddy Sallers lose auf einem echten Kriminalfall basierender Film um einen Triebmörder (intensiv dargestellt vom grandiosen Charaktergesicht Herbert Fux) gilt mittlerweile als österreichische Pulp-Perle, wurde seinerzeit aber wegen seiner Sex & Crime-Thematik angefeindet. Für einen österreichischen Film jener Zeit eindeutig zu heißer Stoff.
Der bis heute eindrucksvollen Filmmusik merkt man sowohl in ihren Rhythmen als auch in der Instrumentierung die Anfänge des Komponisten beim Jazz an. Grandios etwa das Titellied, gesungen von Helga Schramm, seinerzeit Sängerin im Opernchor. Die Titel der einzelnen Nummern – darunter „Der Würger von Wien“, „Schenkelparade“ oder „Pianist Blood Lust“ – tun das ihre zu einem kultigen Hörerlebnis. Große Empfehlung.
20. Juni 2014, 21 Uhr: Soundtrack-Release-Party „Geißel des Fleisches“ beim Accordia Schallplatten Club #14 im rhiz, Wien.
Das Album erscheint nur auf LP und ist auf 500 Stück limitiert. Label: Digatone; Vertrieb: Trost
