Lachsfischen im Jemen

Filmkritik

Lachsfischen im Jemen

| Alexandra Seitz |

Eine wahnwitzige Idee, temporeich umgesetzt, zeitigt ein unterhaltsames Ergebnis.

Als Dr. Alfred Jones von Ms. Harriet Chetwode-Talbot gebeten wird, bei einem Projekt ihres Auftraggebers, Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama, mitzuarbeiten, hat der dafür nicht mehr als ein spöttisch empörtes Aufschnauben übrig. Fliegenfischen im Jemen? Lachse ansiedeln im Wüstenstaat? Ja, freilich! Auf so eine Idee kann auch nur ein Scheich kommen, der zu viel Geld und zu viel Zeit und den Bezug zur Realität vollkommen verloren hat!

Dann aber erfordert die politische Großwetterlage dringend positive Schlagzeilen die britisch-arabischen Beziehungen betreffend; es ergeht Befehl von ganz oben, und der eher zurückhaltende Fischerei-Experte sieht sich mit einer Aufgabe konfrontiert, die alle seine in Jahren routinierter Vernachlässigung eingerosteten Qualitäten fordert. In der gemeinsamen Arbeit mit der ebenso energischen wie charmanten Harriet und dem Scheich, einem ebenso visionären Staatsmann wie passionierten Angler, regen sich Alfreds Begeisterungsfähigkeit, Herzlichkeit und Empathie – kurz: Der ganze Mann erwacht zum Leben. Und dann passiert, was in Filmen wie diesen nun mal unweigerlich passiert.

Okay, das Rad wird nicht neu erfunden. Auch hat Salmon Fishing in the Yemen von Lasse Hallström ein paar mehr „überraschende“ Handlungswendungen, als ihm gut tut. Und Kristin Scott Thomas in der Rolle der PR-Strategin des Premierministers übertreibt es ein wenig mit der Tough- und Bitchiness. Aber Emily Blunt und Ewan McGregor als Harriet und Alfred sind – für sich und erst recht zusammen – eine Wucht, und der krummnasige Amr Waked umschifft gekonnt die Klischeefallen, die die Figur des Scheichs stellt, und schleicht sich als souveräner Exzentriker ins Herz. Hart an Realitätssinn und Glaubwürdigkeit entlang operieren Personal und Film und beweisen, dass, wenn nur die richtigen Leute daran glauben, Lachsfischen im Jemen nicht wirklichkeitsfremd, und auch nicht nur machbar ist, sondern tatsächlich eine prima Idee.

Und freilich geht es damit letztlich nicht bloß ums Lachsfischen, sondern um all jene dem Ridikül preisgegebenen Pläne und Träume hoffnungsfroher Idealisten, die das Salz der Erde, die Würze des Lebens und der Motor der Welt sind. Man kann es auch ein wenig tiefer hängen und sich einfach nur einen gutartig sentimentalen Liebesfilm anschauen, der sich mit Zwischentönen und Schattierungen beschäftigt und den Figuren Dimension gönnt.