Große Schauspieler spielen gute Figuren in schwachem Film über die Liebe im gesetzten Alter.
Romantische Komödien gibt es wie Sand am Meer. Meist in Form von nach der Standardformel inszenierter Dutzendware, deren Witz sich in überschaubaren Grenzen hält. Auch Joel Hopkins’ Last Chance Harvey bildet keine Ausnahme: Die Gags sind flau und der Handlungsverlauf ist absehbar. Ganz und gar nicht dröge aber ist die Besetzung: In den Hauptrollen geben sich Emma Thompson und Dustin Hoffman die Ehre. Und deswegen denkt man, während man mäßig interessiert das romantisch-komödiantische Hin und Her verfolgt, müßig darüber nach, was gewesen wäre, wenn… Was, wenn den beiden ein angemessener Stoff zur Verfügung gestanden hätte? Was, wenn man sich nicht zufrieden geben müsste mit dem, was sie aus der vorliegenden Banalität herausholen? Denn das ist nicht eben wenig, und um so ärgerlicher ist es, dass die von Thompson und Hoffman so liebenswürdig gestalteten Charaktere in diesem dünnen Geschichtchen feststecken.
Der geschiedene New Yorker Werbejingle-Komponist Harvey Shine (Hoffman) fliegt zur Hochzeit seiner Tochter nach London und begegnet dort der allein stehenden Flughafen-Angestellten Kate (Thompson). Bei einigen Drinks kommen sich die beiden näher, Harvey begleitet Kate zu ihrem Schreib-Kurs, Kate begleitet Harvey zur Hochzeitsfeier, schließlich stehen sie vor der Frage, ob sie sich womöglich noch etwas länger gegenseitig begleiten sollen. Nebenher werden Harveys familiäre sowie berufliche Probleme zufrieden stellenden Lösungen zugeführt und Kates Mutter erlebt eine Überraschung mit ihrem neu zugezogenen ausländischen Nachbarn. Aufregend ist das alles nicht.
Doch mitten durch Klischee, Kitsch und Londoner Postkarten-Ansichten wandern hoch erhobenen Hauptes Harvey und Kate, zwei Erwachsene mit erwachsenem Innenleben. Und sie sind nicht gewillt, ihre Erfahrung, ihre Vorsicht und ihren Eigensinn einem Gefühlsüberschwang zu opfern, der sich als trügerisch erweisen könnte. Die allmähliche Annäherung dieser beiden bereits etwas älteren Menschen, das Abwägen, Verhandeln, Wagen, das damit einhergeht, bieten eine wohltuende Abwechslung zur triebgesteuerten Schnelligkeit, mit der ansonsten in Mainstream-Filmen die Liebschaften von Jungspunden in Szene gesetzt werden. Hoffman und Thompson nehmen ihre Figuren eben ernst. Und Harvey und Kate wiederum nehmen die Sache mit der Liebe ernst. Nur hätte man die beiden gern in einem anderen Zusammenhang kennengelernt.
