Liebesleben Film

Filmkritik

Liebesleben

| Julia Kopetzky |

Ein dunkles Familiengeheimnis und die obsessive Liebe einer jungen Frau zu einem alten Mann stehen im Mittelpunkt von Maria Schraders Film.

Die junge Jara ist glücklich verheiratet, ihre Karriere an der Universität scheint fix, als sie im Haus ihrer Eltern Arie trifft, einen Jugendfreund ihres Vaters. Jara stürzt sich in eine selbst zerstörerische Liebesbeziehung zu dem um vieles älteren Mann und erkennt erst spät, dass sie nur Teil eines schicksalhaften Ganzen ist. So der Plot des Bestsellers der israelischen Schriftstellerin Zeruya Shalev, den die deutsche Schauspielerin Maria Schrader nun in ihrem beachtlichen Regiedebüt verfilmte. Schrader zeigt das verstörende Porträt einer jungen Frau, gefangen in einer bitteren Lebenslüge.

Jara – kantig gespielt von der israelischen Schauspielerin Netta Garti – ist eine eigenartige Frau, keine Heldin die einem sofort ans Herz wächst, mit der man sich gerne identifiziert. Alles in ihrem Leben scheint perfekt zu sein und doch ist sie unzufrieden, unsicher, seltsam verloren und fremd in ihrem eigenen Leben. Und dann ist da diese obsessive Affäre mit Arie, diese ungeheuerliche Liebe zu einem alten Mann, der sie quält und seine Spiele mit ihr treibt. Der sie aber auch in ihrem Innersten zu kennen scheint, besser als sie sich selbst und sie zwingt ihr Leben zu hinterfragen, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen. Erst als sich am Ende das dunkle Geheimnis hinter der Geschichte lüftet, findet Jara zu sich selbst und der Zuschauer endlich auch zu ihr.

Zeruya Shalevs Bücher zu verfilmen ist eine immense Herausforderung, sie polarisieren und verstören und sind von einer sprachlichen Wortgewalt, die kaum in Bilder zu fassen ist. Maria Schrader bleibt in ihrer Inszenierung atmosphärisch sehr dicht an der Vorlage, es gelingt ihr auch erstaunlich gut die Charaktere in ihrer Vielschichtigkeit und Schroffheit zu zeigen. Inhaltlich setzt Schrader den Schwerpunkt ihrer filmischen Interpretation auf die Familien- und nicht die Liebesgeschichte – das ist legitim aber schade. Die unerhörte Erotik, Lust und Leidenschaft, die das Buch so auszeichnet bleibt der Film schuldig. Jaras Beziehung zu Arie ist im Film nur schwer nachvollziehbar und nicht schlüssig, man fragt sich warum sich die Frau das alles antut. Gewisse Dinge bleiben so der Fantasie überlassen, es empfiehlt sich im konkreten Fall unbedingt, die Romanvorlage zu lesen.