Ein hervorragender Foto- und Textband von Karl und Martin Zellhofer, erschienen in der Edition Winkler-Hermaden, beschäftigt sich mit verschwundenen Kinos im Weinviertel.
Ein Buch über verschwundene Kinos ist per definitonem ein nostalgisches, aber dass ein solches Unterfangen kein trauriges sein muss, beweist dieser wunderschöne Band. Vater Karl, pensionierter Schulrat, und Sohn Martin Zellhofer – im übrigen auch Autoren des nicht minder beeindruckenden, im selben Verlag erschienen Buches „Verschwundenes Weinviertel. Über Greißler und Wirtshäuser, Kinos und Schulen, Bahnhöfe und Ziegelwerke, die es nicht mehr gibt“ (2017) – spüren dem Kino nach, das bekanntlich lange Zeit landauf, landab als wichtige, wenn nicht sogar als die wichtigste Quelle für Unterhaltung und Information diente. Allein im Weinviertel gab es einst über hundert Kinostandorte, die im Buch auch minuziös verzeichnet sind, heute sind es gerade einmal noch fünf.
Karl und Martin Zellhofer stellten im Zuge ihrer Recherchen fest, dass die meisten der ehemaligen Kinos im Weinviertel bereits spurlos verschwunden sind. Sie wurden abgerissen oder dienen nach Umbauten als Lagerhalle, Wohnung, Wirtshaussaal oder Garage, deren ursprüngliche Funktion kaum noch erkennbar ist. Nur wer genau hinsieht – und das tun die beiden –, kann noch Spuren entdecken. Gelegentlich finden sich sogar noch mehr oder weniger unveränderte, aber verlassene und verfallende Lichtspielhäuser oder Vorführräume mit Filmprojektoren und weiterem Equipment.
Die beiden Autoren, von denen zum Großteil auch die Fotos stammen, dokumentieren die noch vorhandenen Spuren dieser versunkenen Welt. Das Buch bietet Einblicke in ehemalige Kinos und Vorführräume. Es hält Erinnerungen von Besuchern, Kinobetreibern und -angestellten fest. Es zeigt alte Filmplakate, Kinoprogramme, Eintrittskarten und Werbedias. Es bewahrt ein Stück Geschichte davor, in Vergessenheit zu geraten. Ein mustergültiges Beispiel dafür, wie bereichernd es sein kann, lokale Geschichtsforschung zu betreiben.
