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Serie | Apple TV+

Lucky

| Pamela Jahn |
Anya Taylor-Joy hat Glück im Unglück.

Lucky kann sich glücklich schätzen. Ihr altes Leben liegt hinter ihr. Glaubt sie zumindest, und ist doch auf der Hut. Gerade hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Cary (Drew Starkey) in klassischer Bonnie-und-Clyde-Manier einen Millionenraub durchgezogen. Zumindest für einen gemeinsamen Abend reicht es. Doch keine zehn Serienminuten vergehen und Anya Taylor-Joys Titelheldin befindet sich im Ausnahmezustand – allein, verfolgt auf der Flucht.

Grund zur Sorge gibt es jedoch nur bedingt. Ein Rückblick zeigt, dass Lucky kriminelles Blut in ihren Adern trägt. Das Talent für Raub und Trickserei, auch die Überlebenskunst hat sie von ihrem Vater John (Timothy Olyphant) geerbt, der zwar mittlerweile hinter Gittern sitzt, aber seiner Tochter noch immer Ratschläge erteilt: „Trust no one“, lautet einer davon. Und fast noch wichtiger: „No shortcuts!“ 

Auch ohne Abkürzungen gelingt es Jonathan Tropper, das Schicksal von Lucky sieben Folgen lang im Ungewissen zu halten. Warum hat sich Cary über Nacht mit dem Geld aus dem Staub gemacht und Lucky sich selbst überlassen? Oder war es ganz anders? Und wo steckt er überhaupt? Das fragt sich auch seine Mutter Priscilla (Annette Bening), die ebenfalls jenseits des Gesetzes agiert und Lucky aufspürt, um an das Geld zu gelangen. Das Verhältnis zu ihrem Sohn ist scheinbar schon seit einiger Zeit gestört. 

Dass im Hintergrund die Ermittlungen des FBI auf Hochtouren laufen, könnte man fast vergessen bei dem dichten Gangsterplot. Lucky basiert auf dem gleichnamigen Roman von Marissa Stapley; Tropper hat die literarische Vorlage mit rasanten Actionszenen und einem pulsierenden Soundtrack ausstaffiert und gemeinsam mit Showrunnerin Cassie Pappas ein hervorragendes Ensemble zusammengestellt. Bening spielt ihre coole Mafiosin mit großer Freude gegen den Strich und auf den Punkt. Olyphant wirkt charismatisch, sympathisch und wunderbar geerdet in seiner Vaterfigur. Und auch wenn Lucky zumeist in der Klemme steckt, füllt Anya Taylor-Joy die Protagonistin in jeder Szene mit einer beachtlichen Hingabe aus. Sympathisch und geradezu bestürzend kraftvoll. Immer wieder ertappt man sich dabei, an ihre Rolle als Schachwunder Beth Harmon in der Netflix-Hit-Serie The Queen’s Gambit zurückzudenken, eine Frau von ganz anderem Format. Aber beide Figuren vereint der unermüdliche Kampfgeist, mit dem Taylor-Joy hier wie dort agiert. Gerne würde man sie in ähnlich starken Rollen öfter auch auf der großen Leinwand sehen.