Ludwig II.

| Alexandra Seitz |

Opulent, komisch und seelenvoll – in jeder Hinsicht eines Märchenkönigs würdig

Bayernkönig Ludwig II. ließ es bekanntlich gewaltig krachen. Er imaginierte sich als Sonnenkönig und glich die Realität seiner Vorstellung an, indem er sündhaft teure Märchenschlösser baute. Die Regierungsgeschäfte ließ er ob dieser Unternehmungen links liegen, denn schnöde Politik war nicht so sehr sein Ding. Ludwig war ein vergeistigter Ästhet und eine absehbare Fehlbesetzung auf Bayerns Thron, zumal in Krisenzeiten. Ein „ewig Rätsel“ wollte er seinem Volk bleiben, und Anknüpfungspunkte für vielerlei Mutmaßungen und Einbildungen bietet er nach wie vor, auch wenn seine Schritte mittlerweile gut dokumentiert sind und über seine Homosexualität nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Die Bajuwaren lieben ihren „Kini“, nicht zuletzt weil sich mit dem melancholischen Sonderling, der sich schließlich im Allgäu der hemmungslosen Selbstinszenierung ergab, richtig viel Geld verdienen lässt. Längst schon haben sich die Stein gewordenen Auswüchse von Ludwigs reger Fantasie amortisiert, kommen Menschen aus der ganzen Welt, um zu schauen und zu staunen.

Schauen und staunen lässt einen auch Ludwig II., mit dem Peter Sehr und Marie Noëlle versuchen, der ewig zwischen Kitsch, Pathos, Prunk und Trauerspiel changierenden Legende des Märchenkönigs neue Facetten abzugewinnen. Herausgekommen ist ein über die Maßen unterhaltsames, in jeder Hinsicht verschwenderisches, frei flottierend fabulierendes und zudem erfreulich humorvolles Trumm von einem Film. Alles, was im deutschen Fernsehen Rang und Namen hat, hat sich eingefunden und ganz offensichtlich enormen Spaß daran, mit größtmöglicher Knattermimenhaftigkeit und ungezügelter Knallchargenenergie die opernhaften Ereignisse des ludwigschen Lebensromans nachzustellen. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen und staunen soll. Zu Edgar Selges aufbrausend-genialischer Richard-Wagner-Parodie? Zu Tom Schilling, der als geistig umnachteter Prinz Otto im vollen Klaus-Kinski-Modus die Rampensau rauslässt? Zu Samuel Finzis verschlagenem Lakai Lorenz? Oder vielleicht doch lieber zu Uwe Ochsenknecht, dessen imposanter Prinzregent Luitpold-Bart den Vogel abschießt und alle an die Wand zu spielen droht? Im Herz des wüsten Kostüm-, Frisuren- und Darstellertreibens aber verkörpern Sabin Tambrea als junger und Sebastian Schipper als alter König mit Ernsthaftigkeit und Mitgefühl eine tragische historische Figur. Schlicht und ergreifend.