Filmkritik

Macbeth

| Alexandra Seitz |
Das schottische Stück – skelettiert, spektakulär, sprachgewaltig

Bekanntlich ist William Shakespeares um 1606 entstandener „Macbeth“ kein Pappenstiel, sondern eine der finstersten Tragödien, die je geschrieben wurden. Ein Drama von solch auslöschender Wucht, dass es selbst im Werk des auch sonst nicht eben zimperlichen Barden dasteht wie ein schroffer Fels, an dem King Lear, Richard III. und Hamlet nicht zerschellen mögen – die daher in ihren eigenen Ecken bleiben und böse blickend „the scottish play“ murmeln.

Macbeth also, Thane of Glamis, Gefolgsmann des Schottenkönigs Duncan und siegreicher Heerführer, vernimmt gerne die Prophezeiung der drei seltsamen Weiber, die ihm Ruhm und Ehre und die höchste Würde verheißen. Der Depp; handelt es sich bei den dreien doch um die Nornen, die die Schicksalsfäden weben, und an Macbeth statuieren sie ein Exempel: wie einer zugrunde geht am Ehrgeiz und am Machtstreben, wie er alles erlangt, nur um alles wieder zu verlieren; und so viel mehr noch zu verlieren, sodass am Ende der Mann zum Monster ward – unterstützt, freilich, von seiner bienenfleißig bösartigen Frau, der auf immerdar befleckten Lady.

Was macht nun Justin Kurzel, Australier, aus dem nachtschwarzen Verhängnis, das hier ausnahmslos alle ergreift? Kurzel nähert sich nicht ehrfürchtig als unzähligster Adept im Gefolge von Riesenfüßlern wie Kurosawa oder Welles; ohne falsche Bescheidenheit packt er das Monster an der Gurgel, legt den Stilwillen des vormaligen Bühnenbildners und Musikvideo-Regisseurs sowie ein in seiner Restriktion Opulenz erlaubendes ästhetisches Konzept an und bricht das Stück herunter auf seine nackte Essenz: Unglück. Unglück, in immer zunehmenden Mengen.

Und lange schon kam William Shakespeares Sprache, kam die Gewalt des Gefühls, die sie ausdrückt, nicht mehr derart messerscharf und glasklar zur Geltung wie in diesen kunstvollen Bildern karger Landschaften und kalter Räume. Macbeth, wie Kurzel ihn in Szene setzt, fordert bedingungslose Kapitulation und fährt, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, schwere Geschütze auf: stumme Superzeitlupe im Wechsel mit donnerndem Schlachtgetümmel zu Beginn; Frost und Schneegestöber, Hall im Kirchengewölb, Grün, Blau und Grau im Verlauf; glutblutrote Höllenfeuersbrunst zum Ende. Und im Zentrum das Wort, das gesprochen wird, und die Tat, die es bewirkt, und der Mensch, der ihre Folgen erleidet. Schauspieler? Ja, das auch.