Danny Trejo, dieser Mexikaner-Typ mit der Tätowierung.
Are you a Mexi-CAN or a Mexi-CAN’T?“, fragt der ein wenig zu sehr von sich selbst überzeugte CIA-Agent Sands den finster dreinblickenden Mexikaner mit dem zerfurchten Gesicht, und schon ist man der festen Überzeugung, dass dies die letzte Frage war, die der Agent in seinem Leben je gestellt hat. Denn der Typ mit dem Gesicht sieht nicht aus wie einer von denen, denen man unverschämt kommen könnte. Er sieht eher so aus, als würde er sogar kleine Unverschämtheiten außerordentlich krumm nehmen und als würde dieses Krummnehmen wiederum hässlich ausfallen und sehr wehtun. Stattdessen aber sagt er nur: „I’m a Mexi-CAN!“, zähneknirschend, und tut wie ihm geheißen. Jedenfalls vorläufig. Irgendwann dann aber nicht mehr. Und schließlich wird auch Cucuy ein Opfer der in Once Upon a Time in Mexico (Robert Rodriguez, 2003) herrschenden Atmosphäre allgemeinen Betrugs, Verrats und hinterhältigen Ränkeschmiedens.
Dass die von ihm dargestellten Bösewichter meist entweder ins Gras beißen oder eine andere Art von schmerzhafter Quittung für ihr unheiliges Treiben erhalten, ist Danny Trejo nicht unrecht. An der Glorifizierung einer kriminellen Existenz zum coolen „Lifestyle“ ist ihm nicht gelegen. Crime doesn’t pay. Jedenfalls nicht langfristig. Der am 16. Mai 1944 in Los Angeles geborene Trejo weiß das sehr genau, weil er nicht wenig Zeit seines Lebens in Strafanstalten verbracht hat. Immer wieder verurteilt wegen Drogendelikten und bewaffneten Raubüberfällen. Ein knappes Dutzend Jahre lang hinein ins Gefängnis, heraus aus dem Gefängnis. Wieder hinein, wieder heraus. Hinein, heraus. Soledad, San Quentin, Folsom, Vacaville, Susanville, Sierra. Das hätte, bis zum bösen Ende, auch immer so weiter gehen können.
Ein Glück, dass es die Filmindustrie gibt!
Denn nachdem die von Trejo eigentlich anvisierte Karriere als Profiboxer durch einen erneuten Gefängnisaufenthalt in weite Ferne gerückt war, gewann er eben kurzerhand sowohl die Leichtgewichts- als auch die Weltergewichts-Meisterschaft des San Quentin State Prison. Ein Umstand, an den wiederum Eddie Bunker sich erinnerte, der gleichfalls in San Quentin eingesessen hatte, nunmehr aber beim Film arbeitete. Bei den Dreharbeiten zu Runaway Train (Andrey Konchalovskiy, 1985), an dessen Buch Bunker mitgeschrieben hatte, erinnerte er sich an Trejo, der zunächst als Drogenberater und dann als Häftlings-Statist auf dem Set gelandet war, und schon stieg dieser zum Box-Trainer von Hauptdarsteller Eric Roberts auf und seine Gage von 15 auf 320 Dollar pro Tag. Am Ende übernahm Trejo die Rolle von Roberts Gegner sogar vor der Kamera – und hat seither in 183 Filmen mitgespielt. „I just totally got hooked. I found my calling.“
Die ersten fünf Jahre seiner Karriere sei er, so Trejo, „Inmate No.1” gewesen: „I did a shitload of B-movies about prisons. They would always say: Get that Mexican guy with the big tattoo. I’d show up and I’d have one line, like ,Kill ’em all!’ or something.” Trejo amüsierte sich, verdiente gut und arbeitete weiterhin als Drogenberater, übrigens bis heute. Mit der Zeit jedoch wurde aus dem „Gefangenen Nr.1“ ein profilierter Nebendarsteller, einer mit Kultpotenzial, einer von denen, die allein mit ihrer Präsenz die ganze Szene stehlen können. Was auch der Grund dafür war, dass Robert Rodriguez seinem Cousin Trejo in Desperado (1995) keine einzige Dialogzeile gegeben hat. „Danny, you’re so strong“, lautete Rodriguez’ abschlägige Antwort auf Trejos forderndes „Give me a line!“, und ein Blick in Danny Trejos Gesicht beweist, dass Rodriguez recht hat. Es ist ein Gesicht, in dem sich das Leben zeigt. Nicht bloß als brutales, erlittenes Leben, sondern auch als wieder gewonnenes, glückliches. Ein Gesicht, in dem der harte Kerl mit den dicken Eiern genauso zum Ausdruck kommt wie dessen selbstironische Reflexion, und in dem die Charge ebensoviel Raum beanspruchen kann wie der Charakter. Das Charakter-Face eines Chargendarstellers eben, der sich endlich anschickt, den ihm gebührenden Platz in der Mitte der Leinwand einzunehmen.
