Machete Kills

Filmkritik

Machete Kills

| Axel Estein |

Nicht völlig korrekte Körperpolitik

Danny Trejo als Machete, einer dieser unwahrscheinlichen Helden, dieser Tumbklotzidole wie es sie seit den Achtzigern nicht mehr gibt, ist zurück. Was als 90-Sekunden-Trailer und Gag für das Retro-Double-Feature Grindhouse begann, wird halbwegs originell fortgeführt, d. h. so überzeichnet, das man das Interessen nicht verliert. Wie schon im Vorgänger von 2010, Machete, rollen wieder Stars übers Cameo-Fließband und füllen die Lücken zwischen den absurden, grellen freakshow- und slapstickartigen Ultragewaltnummern – bei saudiarabischen Henkern dürfte der Film wegen seines Köpfungs-Highscores ein Hit sein.
Machete, der illegale Einwanderer, soll mit präsidialem Auftrag – es winkt die Einbürgerung – die Welt retten, jedenfalls den amerikanischen Teil davon. Atombomben auf Washington, abgefeuert von schwer bipolaren mexikanischen Narco-Revoluzzern – das geht nicht! Prallvoll mit Taco-Rassismen und White Supremacy-Gags (vielleicht ist Rodriguez ja ein doppelt umgedrehter abtrünniger Aryan Nation-Undercover?) bedient der Film jede Art von Stereotypen und Vorurteilen. Oberhalb dieser Mexploitation bewegt man sich unbeschadet eigentlich nur noch auf Schlingensief-Niveau.
Hat Rodriguez je schon einen künstlerisch wertvollen Film gedreht? Interessierte eh keinen. Er ist der Volldampfaugust, seine Filme sind Jahrmarktattraktionen, voll mit Schießbudenfiguren. Wieder schwingt er die große Grade-Z-Movie-Sense. In dieser gewollt überzogenen Verherrlichung längst ausgedienter Muster liegt Rodriguez Stärke. Die ungelenke Stümperhaftigkeit vieler Handlungsmomente gehört zum Konzept seines Freakshow-Entertainments. Dieser ästhetischen Kinkiness entspricht auch sein Hang zur Babeploitation mit aufgekratzten Miezen mit Titty-Gatlings und Pussy-Revolvern.
Rodriguez’ ganze Karriere ist auf Filmzitaten aufgebaut. Die Filmschrott-Re-Assemblage und Hyper-Camp-Collage beherrscht er besser als sein zunehmend bissloserer Kumpel Tarantino. Bei der von beiden jeweils neu anvisierten ultimativen Verfilmung eines Hybrids aus Teenage-Joke und Altherrenwitz führt Rodriguez durch geschmeidige Mex-Flamboyanz um Längen vor Tarantinos Stumpfwinkligkeit. Ohne unnötige Überhöhung treibt Rodriguez – billig, wild, chaotisch und cartoonesk – sein Spiel in weiten, aber nicht überstrapazierten Referenzrahmen. Wobei dieses Maßhalten in der Maßlosigkeit genau der Punkt ist, wo der Abfallverwertungskreislauf beginnt, effizient zu werden, ebenso wie die äußere Plattheit bei Innensondierung an Komplexität gewinnt.
Und alle Kinder warten jetzt wie auf das Sandmännchen auf den bereits angekündigten „Machete Kills Again“… In Space?