Mädelsabend / Walk of Shame

| Alexandra Seitz |

Hangover war gestern.

Dumm gelaufen! Ohne Schlüssel, ohne Handy, ohne Geld, mitten in der Nacht, mitten auf der Straße, mitten im Ghetto. Dazu massiv verkatert auf schwindelerregenden High Heels und in einem quietscheentengelben Kleid, das scharf an der Kante zur Reizwäsche entlang schrammt. Und zu allem Überfluss hat Nachrichtensprecherin Meghan (Elizabeth Banks), die da eben überstürzt aus der Wohnung ihres One-Night-Stands auf die Straße stolpert, in ein paar Stunden einen wichtigen Termin, der über ihre weitere berufliche Zukunft entscheiden soll.
Was macht frau in einem solchen Fall? Sie wendet sich vertrauensvoll an die Polizei, den Freund und Helfer von Bürgern in Notlagen – nicht aber von Frauen auf High Heels und in knallig knappen Kleidern, wie Meghan sogleich feststellen muss, als ihr beschieden wird, sie, die Nutte, solle bei den anderen Nutten auf ihrer Straßenseite bleiben und sich nur ja keinen Zentimeter weiter dem Polizeiauto nähern, sonst würde man sie auf der Stelle verhaften. So nimmt das Verhängnis seinen Verlauf. Fortan ist Meghan auch noch vor der Polizei auf der Flucht. Der gelbe Fetzen und die Heels waren zwar für den gestrigen Abend in der Bar ein echter Bringer, rein gar nichts aber sind sie im Licht des Tages für den öffentlichen Raum.
Die peinlichen Folgen des Rausches, sie treffen nicht nur die Männer. Auch Frauen saufen sich in Situationen, aus denen lediglich ein Spießrutenlauf noch herausführt. In den Hang-over-Filmen wird dieser dornenreiche und erniedrigende Weg am Beispiel dreier Kumpel mit den Mitteln der Krawall-Komik ins unschöne Bild gesetzt. Dagegen setzt Walk of Shame von Steven Brill einen etwas anderen Schwerpunkt. Nicht nur, indem er eine weibliche Protagonistin wählt, sondern vor allem, indem er deren Versuche, mit Hilfe sozialer Interaktion auf den rechten Weg zurückzufinden, in den Mittelpunkt stellt. Soll heißen: Meghan kann sagen, was sie will, gegen ihr Outfit kommt sie nicht an. Die Polizisten, der Taxifahrer, die Busfahrerin, der Crack-Dealer – sie alle sehen die Frau und wissen über sie Bescheid. Und je nach doppelmoralischer Verlogenheit hören sie ihr zu und helfen – oder eben nicht. Das führt zu grotesken, lustigen, absurden, komischen, hanebüchenen und Brüller-Situationen, bleibt dabei immer am Zwischenmenschlichen interessiert.
Zum Glück gibt es unter den Outcasts noch so etwas wie Ganovenehre. Zum Glück stellt sich der One-Night-Stand nicht als eben solcher heraus. Meghan hätte andernfalls keine Chance.