Opulentes, im besten Sinne altmodisches Erzählkino mit Ausreißern ins Sentimental-Überdeutliche
Er regiert die Seinen mit eiserner Hand. Er duldet keinen Widerspruch und was er sagt, hat zu geschehen. Denn er will nur das Beste für seine Familie, eine große Familie, mit vielen starken Söhnen und zahlreichen Frauen, die kochen und gebären, und Kindern, die heranwachsen und die vorgegebene, vatergottgemäße Ordnung zu hinterfragen beginnen. Vorsichtig zwar, doch mit verheerenden Folgen. Es ist der Fall eines Riesen und er vollzieht sich spektakulär. Mahana ist ein Familiendrama von epischer Breite und mit pathetischer Wucht, in klassischer Tradition und altmodisch aus Überzeugung, passenderweise an einem weit entfernten Ort und schon etwas länger her, in den frühen Sechzigern, angesiedelt.
Nach über 20 Jahren – und Ausflügen ins Hollywood- und Mainstream-Kino mit Mulholland Falls (1996) und Die Another Day (2002), einem Kaitel aus der James-Bond-Reihe – kehrt Lee Tamahori mit Mahana in seine Heimat zurück. 1994 hatte er mit Once Were Warriors das Kino Neuseelands auf die Weltkarte gesetzt und die beklagenswerten gegenwärtigen Lebensumstände seiner Ureinwohner, der Maori, in den Großstädten zum Thema gemacht. Mit bitterem Realismus, rau und ungeschönt, erzählte er darin die Geschichte einer indigenen Familie in Auckland, die von einem trunksüchtigen, gewalttätigen Vater dominiert und terrorisiert wird, bis sie schließlich auseinanderbricht. Gespielt wurde der Tyrann seinerzeit von Temuera Morrison, der in Mahana wiederum die Rolle des titelgebenden Patriarchen übernommen hat, was den Film insgesamt wie eine mögliche Vorgeschichte zu Once Were Warriors wirken lässt.
Die Mahanas also leben an der Ostküste der Nordinsel, mitten im weiten Land, und haben sich Status und Wohlergehen als verlässliche Schaf-Scherer und Landarbeiter unter der Führung Tamihanas hart erarbeitet. Aber die Zeiten ändern sich nun einmal, und als das eherne Oberhaupt eher unabsichtlich auf den Dickschädel und das Temperament seines ihm nicht unähnlichen 14-jährigen Enkels Simeon trifft, gerät jene Umwälzpumpe in Bewegung, die keinen Stein mehr auf dem anderen lässt und in der Folge wohlgehütete Familiengeheimnisse zutage fördert und einer (Er)Lösung zuführt. Es ist ein Zerstörungs- wie Modernisierungsprozess gleichermaßen, den Tamahori, der hier einen Roman von Witi Ihimaera – von dem auch die Vorlage für Niki Caros Whale Rider (2002) stammt – mit Sinn für große Gesten und große Gefühle mitunter etwas überdeutlich in Szene setzt.
