Malavita – The Family / The Family

| Axel Estein |

Katz und Maus bei den Fröschen

Nicht sehr clever vom FBI, eine New Yorker Mafia-Familie (Robert De Niro, Michelle Pfeiffer) im Zeugenschutzprogramm ins Exil in die französische Provinz zu schicken. Besonders dann nicht, wenn es sich um einen der höchsten Bosse handelt, der seine früheren Partner beseitigt oder hinter Gitter gebracht hat. Zwar wechselnden die Manzinis permanent die Identität, doch können sie ihre schlechten Angewohnheiten einfach nicht ablegen.
Gerade dann nicht, wenn sie sich stets arroganter, dünkelhafter Franzosen erwehren müssen. Widerborstig zeigt man denen, was eine Harke ist: sprengt ihren Minimarkt, organisiert ein Rollkommando gegen Schulschläger, schleift in Westernmanier ignorante Umweltsünder oder zerlegt korrupte Installateure. Alle in der Familie, auch die Teenage-Kids haben eine höchst kreative, unkonventionelle, immer sehr rabiaten Art der Problembewältigung. Schon bei kleinsten Konflikten fallen sie kollektiv zurück in die liebgewordenen Verhaltensmuster einer mächtigen Mafiafamilie und machen der bretonischen Bourgeoisie und der Landjugend den Garaus. Also droht die Tarnung der Manzinis wieder einmal grandios aufzufliegen. Das hält den knarzigen FBI-Pitbull (Tommy Lee Jones) und sein kleines Schutzteam schwer auf Trab, macht es dem Killerkommando der Mafia aber leichter, auf Spur zu bleiben.
Das Unvermögen, sich im Zaum zu halten und der Clash of Cultures liefert die Reibungsenergie zum Zünden von Handlungsideen und einer Reihe schöner Gags. Zum Beispiel bei den vielen Verweisen auf unterschiedliche Essenskulturen. Die Grenze läuft auch durch den Magen. Kulinarische Traditionen – die Mafia isst keine Hamburger, sondern Pasta spielen eine große Rolle. Was für eine Unsitte der Franzosen, all ihr „pornographic food“ in Butter zu ertränkten!
Mit den Mustern des Morbid-Mörderischen hinter der Fassade der Normalität ist man seit den unerreichten Sopranos bestens vertraut. Fast wie in einer Fortsetzung dieser TV-Serie um James Gandolfini als neurotischen Mafiapaten wirken De Niro und seine Mitspieler. Es passt, dass Martin Scorsese einer der Koproduzenten ist und sein Werk kräftig zitiert wird. Dass aber im Film De Niro auch noch als Experte zu einer Vorführung von Goodfellas geladen wird, überspannt den Bogen etwas. Und je länger der Film dauert umso mehr wird er zum Comicstrip. Die Säuberungsaktion der Mafia wird daher eine entschieden schmutzige Angelegenheit.
Ein anderer Regisseur als Luc Besson hätte leicht dieses Menü vermurkst. Doch man weiß, wie geschickt der großen Genrefan und Recycle-Handwerker bewährte Stereotype auspresst und mixt. Manchmal schmeckt es, manchmal nicht. Hier wird etwas daraus – hauptsächlich durch das tolle Schauspielerensemble, das ungewöhnliche Setting, die unterkühlte Tiefstapelei, die Gewaltausbrüche, die flotte, aber nicht überspannte Montage.