Ein Ehepaar findet in der sinnlichen Freundschaft zu einem anderen Paar seine Libido wieder und verwandelt seine eheliche Krise des Verlangens in die ungezügelte Erotik der Freiheit.
William und Madeleine sind ein älteres Ehepaar. Sie lieben einander, selbst wenn die Leidenschaft der jungen Jahre einer gewissen Trägheit Platz gemacht hat. Er, der frühere Meteorologe, kommt sich in seinem Vorruhestand etwas verloren vor, sie ist Firmenchefin und Hobby-Malerin. Um der Midlife Crisis zu entgehen, kaufen die beiden ein Landhaus. Doch irgend etwas fehlt den neuen Besitzern, trotz der Ruhe und überwältigenden Schönheit des Ortes. Sie freunden sich mit ihren Nachbarn an, dem blinden Adam und seiner verschwiegenen Freundin Eva. Der Film fängt die Augenblicke der neu entstehenden Freundschaft ein, die von Anfang an einer Liebe auf den ersten Blick ähnelt – mit all ihrer berauschenden Verführungskraft, ihren verschwiegenen Freudenschreien, ihrer versteckten Eifersucht.
Die gemeinsamen Abendessen werden zum Schauplatz einer Verwirrung, die sinnlich und leicht ist, sanft aber nachdrücklich, wie die Hand Adams, der tastend nach seinen Gesprächspartnern sucht. Der Blinde wird zum Führenden, und seine Blindheit ist nicht ein Detail, sondern der zentrale Punkt des Films. Die Regisseure haben aus seiner Blindheit einen neuen Horizont gemacht, der es ihnen ermöglicht, dem Drehbuch einen ungewohnt unmoralischen und sinnlichen Aspekt zu geben. So filmen sie wie tastend, legen einen Schwerpunkt auf die Geräusche, geben aufgefangenen Gesten und Blicken ein ganz neues Gewicht, der Zuschauer taucht in die Intimsphäre der Hauptfiguren ein. Eines Abends vermischen sich die Paare, werden die Partner getauscht. Eine der Qualitäten des Films besteht darin, dieses Überschreiten der Hemmungen und der moralischen Zwänge als völlig natülich darzustellen. Zwei Paare lieben sich, et alors? Trotz aller Risiken die der Film hier eingeht, ist der Blick auf den heiteren Hedonismus der Hauptfiguren niemals anzüglich oder vulgär, und schon gar nicht urteilend.
Es folgt ein verkaterter Morgen, die Angst vor der eigenen Courage, eine neue Entfremdung und zugleich ein Wiederfinden zwischen William und Madeleine, die sich nie verloren hatten. Nach diesem Zwischenspiel ist klar, dass das Leben der beiden nie mehr genau so sein wird wie bisher.
Die Brüder Larrieu liefern eine freizügige Komödie über das Verlangen, seine Abnutzung und sein erneutes Entfachen. Kühner und leichter wurden die Trauer über die verlorene Jugend und die Möglichkeit eines Neuanfangs im französischen Kino lange nicht behandelt.
